Society of Rudeness
The verification mission - Druckversion

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RE: The verification mission - Rory Evening - 08.08.2020

Hätte ich vielleicht sagen sollen das -Rory- lediglich ein Spitzname ist und ich eigentlich Roderick getauft wurde? Nein. Das hat niemand zu interessieren. Und so beiße ich mir unbemerkt auf die Unterlippe. Während ich mrine Fingerspitzen zärtlich durch Glorias Fell gleiten lasse. Denn mein Daemon ist die einzige die mich versteht. Und auch wenn es wirkt das ich mich allmählich in Gegenwart des Herrn öffne. So lasse ich doch immer nur Bruchstücke zu. Zum Beispiel weiß der Ältere nur meinen Vor- und Zunamen. Mehr auch nicht. Denn mehr gebe ich einfach nicht preis. Zumindest noch nicht. Auch wenn ich weiterhin in diesem Zug sitzen möchte und nicht bei der nächsten Station vor die Türe gesetzt werden möchte.

“Danke Sir.“
Hauche ich mit leiser Stimme und senke im nächsten Moment ergeben meinen Kopf. Hm. Was dem Älteren in genau diesem Moment durch den Kopf geistert? Vielleicht die Frage woher diese tief in mir wohnende Ergebenheit kommen mag? Von meinen Eltern? Wohl kaum. Von meinen Erlebnissen auf der Straße? Oder schlummert diese Ergebenheit schon immer in mir und hat nur auf den richtigen Augenblick gewartet um hervor zu brechen?
“Wenn wir in Sheffield ankommen. Was passiert dann mit mir Sir?“
Nervös belecke ich nach diesen Worten meine Unterlippe. Während sich ein leichtes beben in meine Stimme schleicht und ich bemerke wie meine Finger sachte zu zittern beginnen. Auch Gloria bemerkt meine nervöse Unruhe und räkelt sich leicht auf meinem Schoß.

Der vorüberziehenden Landschaft schenke ich kaum Beachtung. Wie auch, wenn mir unzählige Gedanken durch meinen Kopf kreisen. Und einige dieser Gedanken einen stechenden Schmerz in meinen Schläfen auslösen. Sodass ich leicht zusammen zucke und meine Unterlippe blutig beiße. Den nachdenklichen Blick des Älteren bemerke ich aus dem Augenwinkel und blinzle in seine Richtung.
“Ich.. ich sollte für unseren Anführer das Abendessen beschaffen. Und da bin ich zu unserem Hauptlieferant gegangen. Auf dem Rückweg sah ich das blitzende Messer und den blutigen Mann. Da bin ich einfach nur gerannt. Ich hatte Angst.“


RE: The verification mission - Nikola Larkin - 09.08.2020

Das Gepäck ist nach Wagon und Sitzplatznummern geordnet. Asya flüstert mir die Nummern zu. Sie war schon immer besser darin gewesen sich Zahlen zu merken. Die ersten zwei Paar haben gar kein Gepäck hier verstaut, der Dritte hat seinen Koffer durch ein Schloss gesichert, das zu öffnen mir zwar möglich gewesen wäre, aber zu zeitintensiv ist. Bei dem Vierten werde ich fündig. Ich entwende eine gesamte Garnitur an Garderobe, wähle dabei aus, was zwar anständig aussieht, aber unter den Stücken im Koffer nicht zu den besten gehört, und lasse dafür das restliche Geld da, das ich bei mir trage, bevor ich den Koffer sorgsam wieder verschließe. Ja, die Kleidung ist gestohlen, aber ich weiß nicht, wie viel Aufsehen der Eigentümer darum machen wird, wenn er an dessen Stelle mehr Geld findet, als schätzungsweise der gesamte Kofferinhalt wert ist. Sicher, er könnte das Geld einstecken und trotz allem ein Theater machen. Aber die meisten Menschen sind bequem. Sie folgen einer schlichten Kosten-Nutzen-Rechnung und in diesem Fall braucht es dafür wirklich keinen ausgeprägten Genius. Für dieses kleine Unterfangen habe ich eine Menge Geld in den Sand gesetzt, aber es gehört zu Father Ibrims Konzept uns im Rahmen der Arbeit, selbst etwas Banales wie eine Zugreise, mit ausreichenden Mitteln auszustatten – es hier zu verschwenden bereitet mir also wenig Kopfzerbrechen. Früher oder später werde ich das erklären müssen, aber bis dahin bringt es mir ein gewisses düsteres Vergnügen einen guten Teil davon im Koffer eines armen Schluckers zu wissen.
 
An eine Schüssel mit Wasser komme ich bedeutend einfacher. Bis Sheffield ist es nicht mehr weit und man teilt mir auf meine Überredungskünste hin einen Rest aus dem Kanister zu der für das Teewasser bestimmt ist. Einen Lappen hänge ich mir über die Schulter und gehe den Anzug über den einen Arm, die Wasserschüssel in der anderen Hand zurück zum Abteil meines Bruders. Schnell gehen kann ich nicht. Es ist so schon mühevoll das Wasser gegen das Schaukeln des Zuges vor dem Überschwappen zu bewahren. Aber immerhin habe ich eine gewisse Übung darin. Ich habe als Junge genug Hiebe dafür kassiert etwas zu verschütten. Meine Hände sind ruhig geworden über die Jahre, etwas das mir als Soldat und später als Scharfschütze gute Dienste geleistet hat. Asya hält sich dicht an meiner Seite. Ich spüre ihren Körper neben mir. Seit ihr ruhiger Operationsmodus abgeklungen ist, hat sie kein Wort mehr mit mir gesprochen und ich weiß, sie hält alles für gesagt. Ihr Ultimatum klingt in meinen Ohren nach. Ja, ich sollte mir tatsächlich besser etwas überlegen. Vor allem sollte ich jedoch die Klappe halten, etwas das mir sonst wenig Probleme bereitet. Sonst... Immerhin das wird mir durch den Jungen hoffentlich leichter fallen. Jedenfalls bis er uns in Sheffield verlassen wird.
 
Vor dem Abteil schaffe ich es irgendwie mit der Hand, in welcher ich die Schuhe halte anzuklopfen. Ich warte auf ein Zeichen und Asya erhebt sich geübt auf die Hinterläufe, drückt mit einer Pfote die Klinke und stößt dann sacht die Türe mit dem Kopf auf. Ruhig trete ich ein. Das Bild das sich mir bietet ist wie das Zerrbild eines wohlhabenden Onkels der mit seinem Lieblingsneffen eine Zugfahrt unternimmt. Nur dass dieser Lieblingsneffe, der ihm da auf den mit rotem Samt bezogenen Polstern gegenüber sitzt, wie ein ungepflegter Flickenteppich anmutet. Ich habe das unangenehme Gefühl in etwas hinein zu platzen. Mein Blick liegt auf dem Jungen. „Nimm mir das ab“, weise ich ihn schlicht an die Wasserschüssel entgegen zu nehmen, damit ich die Türe schließen kann. Meine Worte sind dabei bestimmt, aber weder ungeduldig noch herablassend. Es bringt mir keine Freude ihn von dem Platz zu vertreiben, den Anis ihm gegeben hat. Fast schon privilegiert ihm gegenüber und wenn es mich nicht täuscht, so waren sie bis eben in einem Gespräch gewesen. Es fühlt sich falsch an hier zu stehen und das zu unterbrechen, beinahe als hätte ich tatsächlich gewagt Anis‘ Neffen einen Befehl zu geben. Aber ich brauche den Jungen um mir das abzunehmen und muss mich jetzt doch mit einem Anflug des Missmuts daran erinnern, dass er ein Kind der Straße ist, nicht von höherem Blut oder Namen.
 
Sobald die Abteiltüre verschlossen ist, setzt Asya sich ruhig und aufrecht neben der Türe ab und hält stumm das Abteil im Blick, während sie, wie ich weiß, gleichzeitig die Geräusche auf dem Gang überwacht. Ich reiche dem Jungen den Lappen zu der Wasserschüssel. „Wenn du Teppich oder Sitze beschmutzt, wirst du es bereuen“, verspreche ich ihm scharf, aber nicht böswillig. Ich will ihn damit nicht demütigen, einzig zur Achtsamkeit mahnen. Anis soll sich nicht wegen Vandalismus verantworten müssen. „Du wirst versuchen dich etwas zu waschen, dann wirst du dich umziehen“, erläutere ich knapp, ohne den Jungen dabei anzusehen. Denn unterdessen lege ich sorgfältig die Garnitur Kleider auf der Sitzbank aus und stelle die Schuhe ab. Noch einmal überprüfe ich knapp, dass nichts davon übermäßig zerknittert oder gar kaputt oder schmutzig ist oder ein anderweitig unanständiges Erscheinungsbild geboten hätte. Es ist nicht die beste Kleidung und sie wird dem Jungen nur übergangsweise und sicher nicht wie maßgeschneidert passen. Aber sie sollte etwa seiner Größe und Statur entsprechen und für das Bild von einem einfachen Dienstjungen durchaus ausreichen.


Schließlich wende ich mich dem unvermeidlichen zu. Mein Blick geht zu Anis. Ruhig und sachlich wie es dem Job gebührt, den ich nun einmal inne habe und der so viel Distanz zurückbringt zwischen meinen Bruder und mich. „Soll ich ein anderes Abteil suchen, Sir, in dem der Junge sich umziehen kann?“ Es hätte mich nicht gestört, hätte er es hier getan. Beengte und überfüllte Dienstbotenquartiere und die Jahre beim Militär haben mir jedes Schamgefühl dahingehend konsequent aberzogen, noch bevor ich begonnen hatte die Aufgaben eines Valets zu übernehmen, die das An- und Abkleiden seines Herrn beinhalten. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass der Junge sich je viele Befindsamkeiten deswegen hat erlauben können, wenn er ein Leben auf der Straße und in Banden geführt hat – und selbst wenn hätte das in diesem Moment den geringsten Belang. Belang hat allein Anis‘ Entscheidung. Ein Abteilwechsel könnte potentielle Aufmerksamkeit auf sich lenken, doch gleichzeitig bedeutet in diesem Abteil zu bleiben beengte Platzverhältnisse und die Unannehmlichkeit eines sich waschenden und umkleidenden Straßenkinds, was ich Anis gerne erspart hätte, wäge ich stumm bei mir ab. Aber ich hüte mich davor ungefragt meine Meinung kund zu tun. Dieses Mal wenigstens. Ich kann Asyas Spott in meinem Nacken brennen spüren.


RE: The verification mission - Anisim Langdon - 11.08.2020

Nachdenklich sehe ich den Jungen an als er mich das fragt. Was mit ihm passiert wenn wir in Sheffield ankommen. Ich spüre meine Stirn runzeln. Hat der Junge sich also einfach der höheren Macht übergeben. Vermutlich sollte mich das freuen. Oder zumindest erleichtern. Dass kein Widerstand an unserem Ziel kommen wird. Das tut es nicht. Es stimmt mich sorgenvoll. Die Geschwindigkeit darin lässt mich vermuten, dass er es nicht ernstmeint. Diese Ergebenheit. Warum sollte er auch. „Dann finden wir einen Ort an dem du sicher bist, ein Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit am Tag hast.“, erkläre ich ruhig und sachlich. Einen Moment sehe ich den Jungen noch an, beobachte die Nervosität auf seinen Lippen, den gesenkten Blick, wie sich die kleinen schmutzigen Finger in das Fell der Katze graben. Dann atme ich leise tief durch und sehe aus dem Fenster.

Er wird mir anstrengend, der Kleine. Und doch habe ich ihn aus einem Grund hier sitzen. Behutsam versuche ich ihn auf das anzusprechen was er gesehen hat. Wende dabei den Blick zurück ins Abteil um den Jungen ruhig anzusehen. Der Junge sieht in meine Richtung wie ein unterwürfiges Schaf, das sich vor dem Wolf fürchtet. Ich frage mich ob ich wirklich so eine Ausstrahlung für ihn habe. Vermutlich ist das normal, wenn man diese gesellschaftlichen Kreise nicht gewöhnt ist. Normalerweise ist mir solch eine Ausstrahlung nur Recht, sie ist mir all zu nützlich bei der Arbeit. Jetzt aber irritiert sie mich, ist sie mir geradezu im Weg. Wenn der Junge Angst hat wird er sagen was immer nötig ist um heile diesen Zug wieder zu verlassen. Ich frage mich ob er meinen Unmut spürt.

Geduldig höre ich ihm zu. Nehme die Worte auf und drehe sie in meinem Kopf sobald sie den Mund des Jungen verlassen. Unser Anführer. Der Junge deutet also eine Bande an. Eine Bande, die kleine Jungs losschickt um für einen einzelnen das Essen ranzuschaffen. Was sollte der Mann bekommen?! Einen Truthahn?! Frisch vom Metzger, bitte abholen, hier hast du sieben Gold-Dollar, Junge?! Das Wort „Hauptlieferant“ spricht der Junge dagegen seltsam aus. Förmlich klingt es als hätte er ein anderes Wort für das gesucht was er wirklich meint. Als wäre da ganz und gar kein Truthahn abzuholen, sondern eine große Portion weißes Pulver, das sein Anführer wie Eischnee verputzen würde. Soll es mir Recht sein, ich werde den Jungen nicht nach den Dynamiken seiner Bande ausfragen. Deshalb ist der Kleine nicht hier. Was mich interessiert sind das blitzende Messer und der blutige Mann von dem der Junge spricht. Er redet so kurzangebunden, dass ich mir plötzlich wünsche er würde näher in die Details gehen. Hätte er nur die Geschichte vom Abendessen fortgelassen und dafür mehr über den Mann und das Messer erzählt. Ich will gerade nachfragen als sich die Abteiltür öffnet.

Unwirsch sehe ich hin und erkenne dass es Nico und Asya sind. Meine Züge entspannen sich ein wenig. Nico balanciert eine Schüssel Wasser und fährt den Jungen harsch an. Strenger Lehrer. Ich lasse ihn machen, die Aufmerksamkeit des Jungen von unserem Gespräch abziehen und wende den Blick ab. Meine Augen suchen Punkte in der Landschaft, die im nächsten Moment wieder verschwunden sind. Es wird sich noch eine Gelegenheit ergeben, mit dem Jungen über diese Dinge zu sprechen, da bin ich sicher. Etwas in mir ist zu froh darüber, dass Nico zurück ist um ihm einen Vorwurf zu machen. Als hätte er in den Tiefen dieses Zuges verschwinden und einfach nie wieder in meinem Leben auftauchen können. Was für ein Unsinn, denke ich und beobachte eine alte Eiche, die sich an der Kreuzung zweier Feldwege kontinuierlich aus meinem Sichtfeld heraus schiebt.

Nicos Ton ist hart und sachlich während er an meiner abgewandten Seite mit dem Jungen spricht. Ich höre ihr zu, dieser ordnungsgemäßen Seite von ihm, und vertraue ihm bei jeder seiner Aufgaben. Und doch ist er dabei so weit weg von mir, als trennten uns zwei Welten. Ich atme erneut leise tief durch. Es ist als bräuchte ich diesen Atemzug um dem Druck entgegen zu wirken, der meinen Brustkorb umfängt. Das wird kein einfaches Wochenende werden. Aber was hilft es?

Erst als Nico sich mit diesem befremdlichen „Sir“ an mich wendet, realisiere ich, dass er mit mir spricht. Ich wende den Blick langsam vom Fenster ab und sehe ihn an während mein Gehirn den davor liegenden Satz für mich rekapituliert. Dieses Sir, es ist wie eine Bestätigung jeder Distanz, die zwischen uns herrscht. Ich sehe ihn an als bemerke ich seine Anwesenheit zum ersten Mal. Ein anderes Abteil. Für den Jungen. Meine Augen wandern kurz ernst zu dem verdreckten Straßenkind. Ich denke über die Frage nach. Dann schüttle ich den Kopf. „Nein. Besser er wird nicht öfter da draußen“, mein Blick wandert kurz zur Abteiltür und wieder zurück - „gesehen als nötig.“ Ich sehe Nico nicht direkt an, kann nicht einmal sagen weshalb, sehe nur den Jungen mit gerunzelter Stirn an. Dann lasse ich von ihm ab, hebe den Blick und sehe wieder hinaus auf die vorbei ziehende Landschaft um vorzutäuschen ich sei nicht wirklich da. Wenn ich hinaus sehe muss ich keinem Blick ausweichen. Es ist einfacher. Und der Junge hat ein wenig Privatsphäre.

Es wäre mir lieber gewesen, sie hätten sich ein anderes Abteil gesucht. Liebend gerne hätte ich das Angebot angenommen. Ich möchte die schöne neue Version eines sauberen Jungen sehen und das Straßenkind vergessen, nicht die Art wie es sich verwandelt und das alte Erscheinungsbild wie einen Schatten mit sich zieht. Aber ich will kein Risiko eingehen. Die Zeit bis nach Sheffield erscheint mir allzu kurz. Ich senke den Blick, greife unter mein Sakko an die Weste und ziehe die Taschenuhr hervor, die dort in der Tasche liegt. Sie ist über eine feingliedrige goldene Kette mit einem der Knöpfe und der anderen Westentasche verbunden. Ich klappe sie auf, werfe einen kurzen Blick auf das Ziffernblatt. Klappe sie wieder zu. Schiebe sie zurück. Verschränke die Hände wieder auf dem Schoß und sehe hinaus.

Ich sehe mich unwillkürlich da sitzen, am Fenster. Als stünde ich an der Abteiltür und sähe hinein. Blickte auf mich selbst. Wie ich da sitze mit überschlagenen Beinen und herrschaftlichem Blick hinaus, als wären meine Bediensteten nicht im Raum. Alles was ich denken kann ist Das bin ich nicht. Aber ich rühre mich nicht. Der Gedanke ist zu vertraut. So vertraut, dass es auf angenehme Weise schmerzt. Nur Nascha hält ihren halb geschlossenen Blick hoheitsvoll auf die Szenerie im Inneren des Abteils gerichtet. Ich spüre, wie sie den Kopf dreht. Spüre es daran, wie sich ihr Gewicht verlagert. Man wird empfindlich für solche Dinge.


RE: The verification mission - Rory Evening - 11.08.2020

Mit gespitzten Ohren und abgewandtem Blick kauere ich regelrecht auf dem Polster des Sitzes und vergrabe meine Finger im Fell meines Daemons. Gloria quittiert diese etwas strengere Massage mit einem zufriedenen brummen. Und mein Blick gleitet in ihre Richtung. Das gefällt ihr also? Hm. Vielleicht sollte ich mir das merken.
“Darf ich nicht bei euch bleiben Sir?“
Ein flehender Glanz hatte sich bei diesen Worten in meinen Blick geschlichen. Denn meinen Blick habe ich angehoben und mustere den Herrn mir gegenüber.

Auch Gloria räkelt sich leicht. Entschließt sich dann jedoch wieder auf Tauchstation zu gehen. Und so hebt und senkt sich lediglich ihre Brust unter ihren gleichmäßigen Atemzügen. Ein deutliches Zeichen das die Kätzin eingeschlafen ist. Dann möchte der Ältere den Grund meiner Flucht wissen und ich beginne zu erzählen. Auch wenn meine Worte wohl nicht sehr ergiebig sind. Denn eigentlich weiß ich kaum etwas. Und gesehen habe ich auch nicht viel. Obwohl? Das könnte den Herren vielleicht noch interessieren. Doch bevor sich meine Lippen öffnen können, betritt Nico das Abteil. Und ich mustere ihn aufmerksam. Hastig erhebe ich mich und stürze beinahe über meine Füße. Entschuldigend lächle ich und nehme Nico auch schon die Wasserschüssel ab. Während ich beobachten kann wie der Ältere saubere Kleidung auf den nun freigewordenen Platz legt. Und ich stehe da und halte noch immer die Waschschüssel.
“Ich werde nichts beschmutzen, Sir.“
Murmle ich mit leiser Stimme an Nico gewandt.

Dann stelle ich die Wasserschüssel vorsichtig zu Boden. Dabei achte ich peinlich darauf auch wirklich nichts zu verschütten. Hm. Und jetzt? Soll ich mich hier im Abteil waschen und umziehen? Etwas unschlüssig knabbere ich auf meiner Unterlippe herum und weiß nicht was ich machen soll. Doch schließlich schlüpfe ich aus meiner geflickten Hose und meinem zerrissenen Oberteil. Mit abgewandtem Körper beginne ich mich zu waschen und lasse das Wasser über meinen Körper rieseln. Natürlich in Maßen. Als ich mich erfrischt fühle, schlüpfe ich in die bereitgelegte Kleidung. Die Kleidung eines Dienstjungen. Erst jetzt drehe ich mich herum. Und tatsächlich wird erst in diesem Moment ersichtlich wie jung ich eigentlich bin.


RE: The verification mission - Nikola Larkin - 12.08.2020

Asya gibt ein ungehaltenes Gähnen von sich, als der Junge uns so unbedarft entgegen stolpert. Tollpatsch, denke ich und gebe nur mit skeptisch mahnendem Blick die Wasserschüssel ab. Hoffentlich bleibt er dabei besser auf den Füßen, ich will nicht mit einem Schwung Wasser begossen werden und schlimmer noch könnte die Ungeschicklichkeit des Jungen Anis zu einem unfreiwilligen Bad verhelfen. Doch da stellt der Junge die Wasserschüssel bereits auf dem Boden ab, wo sie zwar dem Schaukeln des Zuges aber nicht länger einem tollpatschigem Straßenbengel ausgeliefert ist. Schon in meinen eigenen Gedanken wird mir klar, dass ich harsch und ungerecht bin. Das scheue Lächeln und die Beteuerung des Jungen zeugt viel mehr von Übereifer als von rücksichtsloser Unbedarftheit. Doch am Ende ist ein nasses Abteil ein nasses Abteil, ob aus selbstverschuldeter oder aus unbeabsichtigter Ungeschicklichkeit ist dabei zweitrangig. Wir werden nicht lange zusammen reisen, aber der Junge hat eine Menge zu lernen und ich tue weder ihm noch mir einen Gefallen in dem ich mitleidig oder allzu nachsichtig mit ihm bin. Ich gehe meinen eigenen Bußgang in dem ich gezwungen bin Anis anzusprechen, wieder diesem Blick zu begegnen als wäre ich das unangenehmste das seit etlicher Zeit gewagt hat unter seine Augen zu treten. Fast augenblicklich versuche ich mein Verhalten und meine Worte auf ihre Zweckmäßigkeit und ihre Angemessenheit zu überprüfen. Dabei weiß ich instinktiv, dass es einen anderen Grund hat, ich mir diesen Blick aus einem anderen Grund verdient habe. Nicht weil ich mich falsch, sondern weil ich mich richtig verhalten habe. Meinem Stand gemäß. Er hat gesagt, dass er dich nicht deswegen verurteilt, meine ich Asyas mahnenden Worte zu hören. Aber irgendetwas fühlt sich genau so an, während Anis spricht, mich kaum ansieht und konsequent den Blick wieder abwendet, direkt nachdem seine Pflicht einer Entscheidung getan ist. Jede ordnungsgemäße Erwiderung bleibt mir im Hals stecken und gleichzeitig fühle ich die anerzogene Schuld darüber unangemessen zu schweigen wie ein trotziges Kind. Ich schlucke, zwinge mich weg zu sehen. Irgend… wo… die Wasserschüssel… der Junge… Verurteilung erfordert eine Schuldigkeit, eine Täterschaft, kommt es mir wie in stummer Antwort auf Asyas Mahnung in die Gedanken und wieder höhere ich Anis Worte. Du hast wenigstens alles getan was in deiner Macht stand. Alles, das in meiner Macht stand… Es fühlt sich an als wäre mir nie zuvor bewusst gewesen, wie gering diese Macht ist. Wie wenig meinem Bruder ebenbürtig. Dafür gibt mir Anis nicht die Schuld, mag sein. Aber andere Dinge wie Enttäuschung sind nicht an Schuldigkeit geknüpft. Selbstverschuldet oder unbeabsichtigt ist zweitrangig. Erst die Berührung einer kalten Hundeschnauze an meiner Handfläche lässt mich registrieren wie gelähmt und verloren ich noch immer dastehe. Abrupt setze ich mich an die Stelle neben der Türe an der ich zuvor gesessen habe.
 
Mein Blick noch immer auf die Wasserschüssel gerichtet, versuche ich mich ganz darauf zu konzentrieren, versuche zwanghaft diese Gedankenfetzen zu verdrängen. Bei der Art, wie der Junge sich wäscht, fühle ich mich unwillkürlich an einen Spatz erinnert, der sich in einer Pfütze badet. Es scheint kaum Struktur dahinter, weniger die Absicht sich zu säubern, als viel mehr eine angenehme kleine Abkühlung. Mehr Zeitvertreib als zielgerichtete Notwendigkeit. Er ist zugegeben vorsichtig dabei, wirkt bedacht keine größere Sauerei zu machen. Gut für den Jungen. Ich habe nicht vor kleinlich zu sein und einige Wasserspritzer auf die Umgebung lassen sich kaum vermeiden, aber hätte ich das Gefühl bekommen er wäre aus Vorsatz oder zum Trotz unbedacht, ich hätte durchaus verstanden meine Drohung wahr zu machen. So jedoch warte ich stumm ab, dass der Junge sich wäscht und schließlich umkleidet. Er ist ein Kind, denke ich einmal mehr, schmal geschnitten wie der Anzug ist, ist er ihm doch zu weit an den knochigen Schultern. Ordentlicher sieht der Junge alle mal aus, dafür sticht sein ungeordnetes Haar umso mehr hervor, der Mähne eines jungen Löwen gleich steht sie ihm zerzaust um den Kopf. Er hätte einen Haarschnitt nötig und gleichzeitig bemerke ich, dass er für jeden Ansatz eines Bartwuchses noch zu jung sein muss, so glatt seine Wangen entgegen seinem zu langem Haar sind. Älter als fünfzehn kann er unmöglich sein, aber seine Körpergröße spricht dafür dass er kaum jünger als zwölf ist. Dafür spricht auch sein Daemon. Es kommt zwar vor, dass Daemonen bereits früher feste Gestalt annehmen, aber die meisten sind doch über zwölf. Gegen sein verfilztes Haar würden wir ohne einen Kamm und eine Schere nichts ausrichten können. Also sehe ich weiter an ihm hinab. Er hat die Krawatte noch unberührt gelassen, es hätte mich auch gewundert hätte er damit umgehen können. Es überrascht mich bereits genug, wie selbstverständlich er sich der Schuhe angenommen hat. „Gut“, meine ich knapp, aber ernst. Ich bin dem Kleinen dankbar wie zügig er den Umständen nachgekommen ist und erkenne ihm an, dass es sicher nicht ganz einfach oder nachvollziehbar für ihn ist. Ich sehe einen Moment auf die Uhr an meinem Handgelenk. Weit war es wirklich nicht mehr bis Sheffield. „Wir sollten bald durch einen Tunnel kommen“, beginne ich und sehe den Jungen dabei wieder an, „ich würde vorschlagen du nutzt den Moment, klappst das Fenster auf und wirfst deine alte Kleidung hinaus.“ Dabei geht mein Blick einen Moment hinüber zu Anis, er ist auch der Grund weshalb ich die Worte derart vage formuliert habe. Es ist nicht seine Aufgabe sich um solche Belange zu kümmern – und sollte er mich ignorieren, reicht mir das als Zustimmung –, doch ich will ihm die ersichtliche Möglichkeit einräumen Widerspruch einzulegen. Ich kann mir keinen Grund vorstellen aus dem wir länger als nötig mit diesem Bündel stinkender Kleider reisen sollten und ein dunkler Tunnel ist eine verlockende Möglichkeit sie ohne viel Aufsehen los zu werden, doch vielleicht übersehe ich auch einen Punkt. Stumm warte ich ab, ich sitze so, dass Asya sich unter meinen Beinen hätte ablegen können, aber sie bleibt an der Türe mit dem Blick auf das Abteil sitzen. Erst jetzt als ich vage in Anis Richtung sehe, registriere ich, dass Nascha es ihr von der anderen Ecke des Abteils aus gleich tut.


RE: The verification mission - Anisim Langdon - 17.08.2020

Wenn ich dem Jungen keine Angst gemacht habe, dann hat Nico es geschafft. Kleinlaut antwortet Rory auf die Warnung nichts zu beschmutzen und hängt brav ein „Sir“ ans Ende seines Satzes. Fast geht seine Stimme im Rattern des Zuges auf den Gleisen unter. Das Wasser in der Schüssel schwappt gefährlich als er sich darüber beugt. Ich sehe es sogar noch in der Spiegelung der Fensterscheibe vor dem Schatten der dunklen Büsche, die am Rand der Zugstrecke wachsen. Ich bemühe mich, dem Drang zu widerstehen hinzusehen als ich es plätschern höre. Fast streng sehe ich hinaus. Lausche den Geräuschen von Stoff, der sich bewegt.

Mir ist bewusst, dass ich keine Antwort erhalten habe. Die Stille, die auf meine Anweisung gefolgt ist, war so schreiend laut als hätte Nico mir ins Ohr gebrüllt. Stur habe ich mich davon nicht angreifen lassen. Das habe ich mir zumindest gesagt. Ich frage mich, was Nico hat. Er ist es doch, der mit dem „Sir“ angefangen hat. Er kennt unser kleines Tarnungsspiel doch bereits, oder nicht? Weshalb nimmt er es mir übel, dass ich es weiterspiele? Der Gedanke macht mich wütend. Dass er mich dafür zur Verantwortung ziehen wollen könnte. Es ist nichts als eine Vermutung, aber sie wiegt so schwer in meiner Magengegend, dass sie unwillkürlich den Hass in mir schürt. Was erwartet er denn von mir?! Was genau will er, dass ich tue? Ihn nicht als Valet vorstellen, ihn wie meinesgleichen behandeln wie ich es gerne tun würde?! Früher oder später würde Davies davon erfahren, das ist eine Magisteriumsveranstaltung zu der wir unterwegs sind. Wir würden Davies doch nur in die Karten spielen, wenn wir uns so verhalten?! Warum sonst hätte er das hier organisieren sollen?! Wenn er wirklich von unserer Bruderschaft weiß, dann ist jedes Bisschen an diesem Wochenende kalkuliert. Dann dient es zur moralischen Untergrabung von allem woran ich glaube. Dann wartet er auf Schwäche und Fehler. Was denkt Nico, dass wir uns das leisten könnten?! Ist es ihm denn nicht klar, wie viel hinter alledem steckt?! Er hat selbst festgestellt, dass es nicht mir wie damals im Wald ist. Warum hält er mir das dann jetzt vor?!

Die Wut frisst sich in meine Eingeweide während ich hinaus starre. Die vorbeiziehende Landschaft wird zu meinem ganz persönlichen Feind. Wie eine Verkörperung all dessen was Nico von mir erwartet. Er wird mich für feige halten. Dafür, dass mir meine Stellung im Magisterium wichtiger ist, als die gerade erst wiederentdeckte Beziehung zu ihm. Dabei ist sie das nicht. Ganz im Gegenteil. Aber das Magisterium ist mehr als nur mein Arbeitgeber. Mehr als nur der Rettungsring, der mich aus Aylesford gezogen hat. Ich frage mich wie viel er als Valet von den gefährlichen Seiten des Magisteriums mitbekommen hat. Von den Dingen zu denen es bereit ist um in seinen Reihen für Ordnung zu sorgen. Morde scheint er für wahrscheinlich zu halten, also könnte er doch auch eins und eins zusammenzählen.

Tatsächlich ist es für mich nicht so einfach wie es vielleicht aussieht. Ja, ich wollte einmal aufsteigen, ich wollte über Davies hinaus und ich wollte andere Dinge mit mir anfangen als sein Laufbursche zu sein. Und ja, Nascha hat den Gedanken, sich nach oben zu schummeln nie ganz aufgegeben. Sie hat sich daran festgehalten wie eine Ertrinkende während ich mich mit meinem Schicksal abgefunden habe und meiner Verbitterung damit Ausdruck verliehen habe, dass ich die Grenzen des Magisteriums ausgetestet und jede Vollmacht durch Davies bis zur äußersten Belastung ausgenutzt habe. Davies war ein Käfig und gleichzeitig mein eigenes Stück Freiheit. Die Arbeit für ihn ist wie ein Freifahrtsschein. Niemand fragt nach mir. Ich kann Regeln brechen ohne dass es geahndet wird. Höchstens Davies muss sich damit herum schlagen. Und dieser Luxus ist meine Rache dafür, dass ich bei ihm festhänge. Dass ich mit diesem Verhalten jede Chance auf Aufstieg verbaue, ist mir bewusst. Aber ich gestehe es mir selten ein. Es ist Naschas Lieblingsargument gegen mich. Aber während sie noch daran glaubt, dass wir uns nach oben arbeiten könnten, habe ich nicht einmal mehr den Wunsch irgendwohin zu kommen. Ich bin nicht glücklich. Nein, alles andere als das. Aber ich wüsste auch nicht wohin ich sonst gehen sollte. Was also zählt das alles? Ich weiß nur, dass ich so nah an der Klippe balanciere, so oft mit dem Feuer spiele, dass Nico der Funken sein könnte, der mich in die Tiefe stürzt. Es geht nicht um Prioritäten oder um die Wahl zwischen dem Magisterium und meinem Bruder. Es geht schlicht darum, nicht als nächster ermordet in einer Gasse zu liegen.

Fast höre ich Naschas Stimme in meinen Ohren. Wo ist denn der Unterschied dazwischen, dafür ermordet zu werden, dass ich meinen Valet wie einen Bruder behandle oder dafür ermordet zu werden, mit meinem abtrünnigen Valet das Magisterium zu erpressen? Sie würde meine Gedanken als einen Sieg auf voller Länge sehen. Aber es gibt Dinge, wie unsere Bruderschaft, die Nico und ich schon sehr lange geheim halten. Ich zumindest. Weil es unsere Familie ruinieren würde, wenn sie heraus kämen. Wenn der Skandal perfekt wäre. Es wäre die perfekte Rache an unserem Vater, genau das zu verursachen. Einen Skandal. Wenn es nicht auch uns beide und noch so viele andere mehr mit sich in den Abgrund ziehen würde. Ich frage mich ob ich es ertragen würde, das Gerede der ganzen Insel zu sein. Ob ich das "Bastard" in ihren Augen ertragen könnte. Und ob ich das selbe Nico zumuten wollen würde.

Für einen Moment kehrt Ruhe in meine Gedanken ein. Wie eine klärende Welle spült sie über den Hass, die Scham, die Frustration… Lässt Müdigkeit hinter sich zurück. Ich bin unfair, ich weiß es. Unwillkürlich denke ich an das was Nico vom Pakt erzählt hat und über seinen ehemaligen Arbeitgeber. An meine Vermutung, dass er nicht freiwillig die Fronten gewechselt haben könnte. Er kennt die harschen Kanten des Magisteriums mindestens so gut wie ich. Wenn nicht sogar besser. Nur, so frage ich mich, weshalb versteht er es dann nicht? Weshalb ist er dann so unwillig, unser Spiel zu spielen? Wird er von nun an jedes Mal schweigen, wenn ich ihm etwas sage? Wird er es genüsslich auskosten, wenn mir bei seinem „Sir“ ein Schauer über den Rücken läuft?!

Ich atme tief aus als ich plötzlich aus meiner Perspektive heraus gerissen werde und wie aus dem Nichts meine eigenen Gedanken vor mir liegen sehe. Davies hat längst sein Ziel erreicht. Ich zermartere bereits meinen eigenen Geist. Das werde ich kein Wochenende durchhalten. Ich habe nicht vor, die ganze Zeit über das „was wäre wenn“ zu grübeln ohne feste Anhaltspunkte zu haben. Ich brauche meine Kräfte da draußen in Sheffield. Ich werde nicht unnötig mehr grübeln als unbedingt notwendig.

Nicos Stimme holt mich aus dem finsteren Reich meiner Entschlüsse und Gedanken. Jetzt erst bemerke ich mit welchem finsteren Blick ich hinaus gesehen habe, wie sich die Muskeln auf meiner Stirn über den Brauen verkrampft haben. Vorsichtig löse ich sie und bemühe mich um einen neutralen Ausdruck. Ein Tunnel. Fenster hinunter klappen. Ich atme tief durch um mich in die Gegenwart zurück zu holen. Entschlossen, nicht länger lethargisch der Dinge zu harren, wende ich den Blick vom Fenster ab und betrachte den Jungen, wie er nun verwandelt im Abteil steht. Sein Haar ist noch immer ein verfilzter Haufen Locken, aber seine Kleidung sieht um einiges ordentlicher aus. Er trägt einen Anzug, der nicht komplett passt, aber doch besser als seine Lumpen. Ich sehe den Jungen mit seiner schmalen Nase und den großen Augen an und nicke ihm knapp zu. Eine kleine Anerkennung dafür, dass er jetzt ansehnlicher aussieht. Sein Gesicht ist nun endlich sauber. Wenn man sich den Kleinen so ansieht, ist er wirklich hübsch. Er wäre der Liebling aller Damen. Wäre der Junge wirklich in meinen Diensten, würden sich die Angebote für ihn überschlagen, davon bin ich überzeugt. Gut, dass der Junge uns bald verlassen wird.

Nur kurz frage ich mich woher Nico von diesem Tunnel weiß, aber ich stelle sein Wissen nicht infrage. Stattdessen stehe ich von meinem Platz auf, sehe hinaus. Ich kann ihn schon näher kommen sehen als der Zug in eine Kurve rattert. Ich greife nach oben, löse die Klappe des Fensters, klappe sie so hinunter, dass der Junge daran kommen wird. Ich sehe zu ihm hinunter. „Hier.“ Der Zug wird mit dem plötzlich lauten Scheppern der Räder auf den Gleisen von der Dunkelheit eines geziegelten Tunnels verschluckt. Es wird finster um uns herum. Der Zug verfügt noch nicht über embarisches Licht. Der Junge wird sich ein wenig strecken müssen um in der Dunkelheit seine Kleidung hinaus zu werfen.

Ich hätte nicht aufstehen müssen um dem Jungen zu helfen. Länger still sitzen zu bleiben, hätte ich allerdings nicht mehr ertragen. Ich spüre deutlich, dass ich endlich etwas tun muss, wenn ich nicht länger meinen Gedanken nachhängen will. Und damit will ich definitiv aufhören. Ich brauche das Gefühl von Kontrolle zurück um es dort einzusetzen wo ich mich im Augenblick noch als Gast in meinem eigenen Abteil fühle. Ich spüre wie die kühle Luft um meine Haare weht und sie in Unordnung bringt, die Strähnen aus dem sorgsam gebundenen Zopf in meinem Nacken zieht. Es ist mir egal. Es ist in Ordnung so. Die kühle Luft bringt mich ins Hier und Jetzt zurück. Ich spüre bereits wie es mir hilft etwas zu tun.

Nascha verlagert das Gewicht auf meiner Schulter, flattert kurz, ohne ihre Krallen aus meinem Sakko zu nehmen. Ich weiß genau, weshalb meine Anzüge alle in kürzester Zeit zerschlissene Schultern haben. Als der Zug rauschend den Lärm des dunklen Tunnels hinter sich lässt, hat sie das Haarband im Schnabel, das fast im Wind zu Boden gesegelt wäre. Ich werfe ihr einen Seitenblick zu, ziehe skeptisch eine Braue hoch und frage mich doch, woher die plötzliche Hilfsbereitschaft kommt. Wahrscheinlich hat sie nur Angst, ich könnte das ganze Sheffield-Wochenende ohne Haarband verbringen. Ich nehme es ihr knapp ab und schiebe es in eine Tasche meines Anzugs. Hier ist weit und breit kein Spiegel, es hätte sowieso keinen Sinn das Haar so wieder zusammen zu binden.  Stattdessen mache ich mich daran, das Fenster, das ich dem Jungen geöffnet habe, wieder zu schließen. Bis Sheffield kann es nicht mehr weit sein. Zeit sich zu überlegen, wo wir den Jungen am besten unterbringen…


RE: The verification mission - Rory Evening - 19.08.2020

Das rattern des Zuges klingt unnatürlich laut in meinen Ohren. Während mir mein Herz bis zum Hals pocht. Die Wasserschüssel steht zu meinen Füßen. Und das Wasser schwappt gefährlich. Doch noch ist kein Tropfen daneben gegangen. Worüber ich äußerst erleichtert wirke. Nicht auszudenken wie die beiden hohen Herren auf ein solches Malheur reagieren. Gloria beobachtet mich ruhig und wischt einmal mit ihrem buschigen Schwanz hin- und her. Und ich beeile mich aus meiner Lumpenkleidung zu schlüpfen.

Die neue Kleidung passt mir zwar nicht ganz und ich muss die Ärmel des Hemdes umschlagen, um meine Hände benutzen zu können. Auch die Schuhe fühlen sich merkwürdig fremd an meinen Füßen an. Während mein Blick auf der Krawatte ruht, die vergessen auf dem Polster des Sitzes liegt. Was soll ich denn damit anfangen? Dieses Seidending Gloria um den Hals binden? Bei diesem Gedanken umspielt ein Lächeln meine Lippen und ich fange den Blick meines Daemoms ein.

Schließlich ignoriere ich die Seidenkrawatte und vernehme auch schon die Worte des Älteren. Meine zerrissene Kleidung würde aus dem Fenster geworfen werden. Damit würde auch der Rest meines bisherigen Leben einfach so weggeworfen. Und das Straßenkind verschwindet. Was aber bin ich dann? Meine Vergangenheit auf der Straße kann man nicht einfach so vergessen machen, in dem man mich neu einkleidet.

Schließlich rattert der Zug durch eben jenen Tunnel und mein Kleiderbündel verschwindet irgendwo im dichten Gestrüpp, welches neben den Gleisen wuchert. Ich schlucke tatsächlich vernehmlich und stehe leicht verloren im Abteil. Denn zu setzen wage ich mich nicht. Nicht bevor der entsprechende Befehl an mein Ohr dringt. Woher dieser plötzliche Gehorsam? Vielleicht liegt es daran das es innerhalb der Banden einen  Anführer gab und diesem Anführer die Jüngeren zu Gehorsam verpflichtet sind. Die Strafen bei Befehlsverweigerung sind schrecklich. Zumindest wurde mir dies erzählt.

Als sich Gloria schließlich um meine Beine schmiegt. Kauere ich mich in die Hocke und kraule meinen Daemon. Denn auf einmal fühle ich mich so schrecklich alleine. Meine Zukunft so ungewiss.


RE: The verification mission - Nikola Larkin - 19.08.2020

Ich bin froh nichts weiter auf Anis Worte erwidert zu haben, ich hätte sein Missfallen nur noch verstärkt. Ich hätte diesen Blick als hätte ich ihm persönlich etwas angetan ohnehin nicht noch einmal direkt ertragen, dafür trifft er mich viel zu tief. Selbst wenn ich weiß, dass ich mir diese brüderliche Empfindsamkeit außerhalb dieses Abteils und in anderer Begleitung als der eines Straßenkindes nicht erlauben darf, um nicht den Eindruck von Aufsässigkeit zu erwecken. Meine Grenzen sind eng gesteckt und was auch immer Anis von mir erwartet, ich kann mir nicht erlauben mich anders zu verhalten als meine Position es mir erlaubt. Akkurat und unterwürfig. Also sitze ich stumm da und lasse den offenkundigen Zorn meines Bruders über mich ergehen, während er mit finsterem Ausdruck aus dem Fenster sieht. Üblicherweise würde der Moment kommen, da einem Herrn das Schweigen nicht mehr genügen und er mir meine wie auch immer geartete Verfehlung vorhalten wird - oder auch nicht. Ich werde für den Fall angemessen meine Reue und mein Bedauern beteuern oder anderenfalls weiter stummes Schuldbewusstsein zeigen und wie üblich hoffen, dass keine größere Aufmerksamkeit auf Asyas - weit weniger angemessene - unbeugsame Haltung fällt. Doch wie immer es in dieser Situation laufen wird, ich kann in meiner gegenwärtigen Position ohnehin nichts tun, um diesen Prozess zu beschleunigen. Vielleicht würde sich ein Moment ergeben, wenn wir alleine sind, doch in der Funktion eines Valets wäre es kaum angemessen meinen Herrn darauf anzusprechen. Ich kann allein für die Zukunft lernen.

Kein Herr ist wie der andere. Und doch habe ich über die Jahre, die ich diesen Beruf bereits ausführe die Erfahrung gemacht, dass es zwei grundlegende Typen gibt. Jene die am liebsten jede Kleinigkeit kontrollieren wollen und mit denen ich entsprechend möglichst jede Entscheidung abspreche und jene die am liebsten so wenig wie irgend möglich von meiner Anwesenheit mitbekommen wollen. Ich werde mich Anis gegenüber wohl um letzteres bemühen müssen. Ich bekomme wenig später die Bestätigung für diese Vermutung, als Anis eisern meinen Blick ignoriert. Ich wende ihn augenblicklich ab, während Anis sich dem Jungen zuwendet, als existiere ich gar nicht. Ruhig betrachte ich meine Hände, während allein Anis Handlung davon zeugt, dass er meine Worte wohl gehört haben muss. Er hilft dem Jungen das Fenster zu öffnen, ganz als wäre ich nicht anwesend diese Aufgabe zu übernehmen, und kurz darauf liegt das Abteil ohnehin in Finsternis. Das Rattern des Zuges dringt unwahrscheinlich laut ins Innere, verschluckt die Geräusche des Jungen. Ich zähle meine flachen Atemzüge bis der Zug den Tunnel durchquert hat. Noch immer sehe ich unverwandt auf den Boden vor meinen Knien. Noch immer sitzt Asya unbewegt aufrecht. Nur einen Moment sehe ich auf, als es wieder hell um uns ist und meine Augen sich an das Licht gewöhnt haben, um mich davon zu überzeugen, dass der Junge erfolgreich seine alte Kleidung losgeworden ist. Erst als ich schon wieder den Blick senke, registriere ich, dass Anis die Haare nun offen trägt. Ich widerstehe der Versuchung sofort wieder aufzusehen, blinzele stattdessen kurz träge zu Boden. Dann kommt mir der Gedanke, dass er sein Haarband wohl im Fahrtwind verloren haben muss. Schlecht vorbereitet, wie ich auf eine solche Situation bin, habe ich ihm keinen Ersatz anzubieten. Das werde ich in Zukunft bedenken müssen. Einen Moment spiele ich mit dem Gedanken mich für diese Nachlässigkeit zu entschuldigen, doch hätte Anis eine bessere Vorbereitung von mir erwartet, so hätte er wohl bereits etwas entsprechendes gesagt. Ich weiß nicht, ob mir das lieber ist. Wirklich. Das hätte mir nicht passieren dürfen. Ich hatte nur tatsächlich keinen Gedanken daran verwendet bisher. Einmal mehr denke ich wie seltsam altmodisch Anis Haartracht ist. Unwillkürlich muss ich an die Bilder denken, die der Father uns in der Schule von der Niederschlagung des amerikanischen Aufstandes gezeigt hatte. Oder an die kunstvollen Gemälden aus vergangenen Jahrhunderten, die in ehrwürdigen Häusern hängen. Ja, dazu passen Anis langen Haare viel eher. Ein glühender Widerstandskämpfer, ich schlucke den Anflug eines Lächelns bereits in seinen Ansätzen. Oder auch eher als kunstvoll gemaltes Abbild in den Reihen seiner Vorväter - wenn er um dieses Recht nicht betrogen worden wäre. Ich muss das Lächeln nicht länger unterdrücken. Ausdruckslos sehe ich weiter zu Boden, warte stumm einige Momente ob Anis weitere Anweisungen hat. Der Junge ist jetzt immerhin ansehnlicher als zuvor, sieht man von seinen Haaren ab. Die alten Kleider sind beseitigt. Fehlt noch die Wasserschüssel.

Mein Blick geht zu dem Jungen zurück als ich die Bewegung wahrnehme, schon wieder drückt er sich auf dem Abteilboden herum wie ein Wickelkind. Hatte ich ihm anerkennen wollen, dass er seinen Anweisungen bisher derart unkompliziert nachgekommen ist? Durchaus, aber nicht in dem er im nächsten Atemzug schon wieder alles über Bord wirft. Ich entscheide mich für einen Kompromiss, statt ihn zu tadeln meine ich nur: ''Nimm noch etwas Wasser und versuch dein Haar etwas glatt zu streichen.'' Mit sauber nieder gekämmten Haar würde er am Ende doch mehr wie eine kleine Abbildung von Anis aussehen, denke ich einen Moment bei den langen Haaren des Jungen. Nur dass der Junge sich kaum einen ähnlich exzentrischen Haarstil wird erlauben können. Und bis er in die Nähe von Kamm und Schere kommt, wird etwas Wasser genügen müssen. ''Dann setz dich wieder'', verpacke ich die Mahnung in eine neutrale Anweisung.  Mein Blick geht von dem Jungen hin zu Anis. ''Ich würde mich anschließend um das Wasser kümmern. Wenn es Ihnen recht ist, Sir?'', wende ich mich ruhig und sachlich an ihn, bemüht um eine Formulierung, die es ihm erlauben würde, die Interaktion mit mir auf ein knappes Ja oder Nein zu beschränken. Dieses Mal rede ich mir ein auf seinen vorwurfsvollen Blick gefasst zu sein. Ich darf es schlicht nicht näher an mich heran lassen. Sicher, es würde so viel vereinfachen, könnte mein Bruder mich in dem Rahmen in dem wir nicht allein sind, behandeln wie einen gewöhnlichen Valet. Aber Anis ist nun einmal der Herr, er kann es sich leisten, sich mir gegenüber zu verhalten wie es ihm passt. Und er wäre nicht der erste schwierige Herr mit dem ich zurecht kommen musste, ich werde auch damit zurecht kommen, versuche ich mich selbst zu überzeugen. Muss nur damit aufhören es an mich heran zu lassen. Stoisch wie Asya an der Türe sitzt. Irgendwie lagen ihr diese Dinge schon immer so viel besser.


RE: The verification mission - Anisim Langdon - 13.09.2020

Die Kleidung des Jungen ist fort, immerhin ein Problem weniger in diesem Abteil. Sie scheinen sich mir in den letzten Stunden überproportional zu häufen. Während ich das Fenster mit etwas Kraftaufwand wieder schließe, geht der Junge hinter mir wieder in die Hocke. Ich sehe es in dem Moment in dem ich mich wieder dem Abteilinneren zuwende. Aber es liegt nicht an mir etwas zu sagen, Nico kommt mir zuvor. Und er ist gut darin, dem Jungen diese Anweisungen zu geben. Als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan… Ich muss mich korrigieren: er hat sein Leben lang nichts anderes getan. Ich schüttle ein wenig bei mir den Kopf und setze mich wieder auf meinen Platz am Fenster. Für einen Moment frage ich mich, wie lange ich wohl brauchen werde, um mich an den Gedanken zu gewöhnen. Ob es jemals passieren wird. Ob ich jemals normal damit werde umgehen können. Und im nächsten Atemzug, ob mir diese Zeit bleibt. Ob ich Nico überhaupt so lange sehen werde. Er ist mir nur dieses eine Wochenende zugeteilt. Und wer weiß, ob sich das Magisterium von da an nicht alle Mühe geben wird, ihn mir nicht erneut zuzuteilen. Ich sollte die Zeit nutzen. Ich sollte jede Sekunde nutzen, die mir bleibt. Stattdessen sitze ich mit diesem Straßenjungen im Abteil, in der absurden Hoffnung, er könnte etwas wissen, das von Nutzen für mich ist, und behandele meinen Bruder wie einen Diener. Weil der Junge da ist. Ich habe es so gewollt. Nico hat es so gewollt. Wir haben die Entscheidung gemeinsam gefällt. Aber sein Schweigen als ich ihn anwies, sagt mehr als tausend Worte. Er nimmt mir die Konsequenz übel. Und der Gedanke macht mich von Neuem wütend.

Ich schiebe ihn zur Seite und konzentriere mich darauf, mir ins Gedächtnis zu rufen, welche kirchlichen Einrichtungen ich aus Sheffield kenne, die für eine Obhut des Jungen in Frage kämen. Als Nico das Wort an mich richtet und anbietet, sich um die Reste des Waschwassers zu kümmern, wende ich meinen konzentrierten Blick vom Fenster ab und zurück auf den Jungen und die Waschschüssel, vor der er kniet. Ich nicke zögernd, dann füge ich dem Worte hinzu. „Danke, Larkin.“ Das ist ernst gemeint. So seltsam es sich auch anfühlt, meinen Bruder Larkin zu nennen. Es geht mir unerwartet leicht von der Zunge. So als hätte es schon immer so sein sollen. Ich frage mich ob ich tatsächlich damit beginne, mich daran zu gewöhnen. Und im nächsten Atemzug, ob ich das gutheißen soll. Was, wenn ich mich nicht daran gewöhnen will? Ich wende den Blick ab, sehe zurück aus dem Fenster, um mich wieder den Gedanken an die Kirchen von Sheffield zu widmen.

Mit der Frage nach der Unterkunft des Jungen lenke ich mich ab, bis wir Sheffield erreichen. Unterwegs unternehme ich keinen weiteren Versuch, dem Jungen noch einmal zu entlocken, was er gesehen hat. Ich vermute, dass er nicht viel mehr zustande bringen würde als das was er mir bereits verraten hat, oder wenn doch, dann nicht in dieser Umgebung und nicht in so kurzer Zeit. Ich kann ihn ein Stück weit verstehen. Ich würde einem Fremden ebenfalls nicht all meine Geheimnisse anvertrauen, auch wenn er mich vor dem Rauswurf rettet. Und immerhin, es ist in Ordnung so. Er muss nur genau das was er mir gesagt hat, noch einmal wiedergeben wenn ich ihn dazu benötige. Bis dahin werden wir ihn irgendwo unterbringen. Nicht bei uns, wie der Junge es wünscht. Ich kann keinen ungezogenen Jungen auf dem Kongress gebrauchen. Nicht wenn ich die Magisteriumsvertretung Londons repräsentieren soll. Das bringt mir zwar selbst ebenso wenig Spaß, aber es ist nun einmal eine Tatsache und ich selbst bringe bereits genügend ununterdrückbare Unlust zu diesem Anlass mit an den Tisch, ein ungezogener Bediensteter würde das Maß überstrapazieren.

Der Zug rollt in langsamer werdendem, gleichmäßigem Rattern in den lichtdurchfluteten Bahnhof Sheffields ein. Im Bereich der Züge ist er mit Eisen und einem Glasdach gestaltet. Das Licht fällt hell und lockend durch die Scheiben hinunter auf Gleise und Bahnsteige. Der Rauch der Dampflokomotive wabert unter dem Glas entlang zu den Öffnungen des Daches über den Schienen und schwärzt die Kanten des Glases mit Ruß. Ich fühle mich tief einatmen, dann wende ich den Blick von den wartenden Menschen auf dem Gleis ab und richte ihn auf Nico und den Jungen, die jetzt, da wir in den Bahnhof eingefahren sind, im Halbdunkel liegen. „Larkin, bitte kümmern Sie sich um das Gepäck. Nehmen Sie den Jungen mit, er kann Ihnen zur Hand gehen und sich nützlich machen. Ich erwarte Sie draußen auf dem Bahnsteig.“ Die Anweisungen gehen mir ernst und sachlich über die Lippen. Als würde Sheffield diese Dinge einfacher machen. Dabei habe ich nicht das Gefühl. Möchte ich das Gefühl nicht haben. Dennoch sitzt Nascha vollkommen ruhig und schläfrig auf meiner Schulter. Ich kann ihre zufriedene Entspannung beinahe körperlich spüren. Mir geht es nicht so. Es ist als wäre eine Feder in mir angespannt, die mich aufrecht hält und bereit ist, los zu schnellen sobald es notwendig wird. Wir sind am Ziel, aber der schwierigste Teil beginnt erst jetzt.


RE: The verification mission - Rory Evening - 27.09.2020

Das gleichmäßige rattern des Zuges auf den Gleisen lässt mich tatsächlich schläfrig werden. Und doch halte ich meine Augen kramopfhaft offen. Während ich mir das Wasser ins Gesicht spritze. Mrin Daemon kauert auf dem Polster des Sitzes und beobachtet mich. Bereit jeden Augenblick zu flüchten, sollte sich auch nur ein einziger Wassertropfen in ihre Richtung verirren. Kurz blicke ich in Glorias Richtung und kann mir das schmunzeln nicht gsnz aus dem Gesicht wischen. Die neue Hose kratzt auf meiner Haut und die Ärmel des Hemdes sind viel zu groß. Sodass ich die Hemdsärmel mit einer gar unwirschen Bewegung nach oben schiebe. Dabei begegne ich dem musternden Blick meines daemons und muss unwilllürlich grinsen.

Das Grinsen wackelt jedoch im nächsten Augenblick, als die in meinen Augen mahnenden Worte an mein Gehör dringen. Der Wasserschüssel werfe ich einen verdrieslichen Blick entgegen. Gehorche dsnn jedoch und versuche mir mit Hilfe des Wassers meine wirren Strähnen an den Kopf zu kleistern. So wie der Ältere der Beiden seine Haare trägt. Auch wenn es mir nicht gefällt, so versuche ich es doch den beiden Herren Recht zu machen. Das ich jetzt wie eine Miniatur-Ausgsbe des Älteren wirke bleibt mir verborgen.

Schließlich setze ich mich artig neben die schläfrig blinzelnde Gloris. Und muss peinlichst darauf achten, dass ich mich nicht einfach in die Ecke kuschle und meine Augen schließe. Dazu bleibt jedoch wenig Zeit. Denn das kreischen der Bremsen kündigt an das der Zug den Bahnhof von Shrffield erreicht hat. Augenblicklich spüre ich wie mein Herz bis zum Hals pocht. Was würde jetzt mit mir geschehen? Ich hatte doch gebeten bei den beiden Männern bleiben zu dürfen. Da erklingt auch schon die befehlsgewohnte Stimme des Älteren an den Jüngeren gewandt. Und auch ich hebe automatisch meinen Blick an. Zu welcher Aufgabe würde ich nun eingeteilt werden? So bleibe ich abwartend auf dem Polster sitzen.