Ich sah zurück zu Rhode und traf dessen Blick. Ausdruckslos erwiderte ich ihn, ohne etwas zu sagen. Was würde jetzt kommen? Nichts. Rhode wandte sich ab. Ich atmete tief durch. Mein Blick ging zur Seite, vor der Fensterfront flatterte nun aufgeregt ein dunkler Vogel. Dass sie es niemals lernte. Das dumme Ding. Mit einem Mal war Stille am Fenster. Sie würde vor der Tür warten, natürlich. Wie ich mich schon darauf freute. Gelassenen aber nicht sonderlich motivierten Schrittes folgte ich Rhode, der bereits mit Feder und Papier hantierte. Na hoffentlich schaffte er das ohne Buchstabendreher. Ich war nicht traurig darum, dass er sich darum kümmerte. Ich griff mir Hut und Mantel, aber bevor ich Otis zur Tür hinaus folgte warf ich noch schnell einen versicherden Blick auf die Liste des Sergeant. Nur um sicher zu gehen. Mein Name stand darauf. Ich traute Rhode nicht weiter als ich ihn werfen konnte.
An zwei hastigen Constables, die ich mit kritischen Blicken bedachte, schob ich mich durch die Vordertür hinaus, setzte meinen Hut auf und zog den Mantel über. Otis war bereits voran geschritten mit seinen langen Beinen, ohne Rücksicht auf Verluste. Stumm wie ein Fisch. Wie er es gerne hatte. Ein Glück war wenigstens sein Sohn nach der Mutter gekommen. Anders hätte ich es auch nicht mit dem Jungen unter einem Dach ausgehalten. Wozu fütterte ich den Jungen eigentlich mit durch?! Margory hätte mir tausend Gründe nennen können, glücklicherweise war sie nicht hier. Dafür eine krächzende Dohle, die sich nun von einem der Dächer zu mir hinab stürzte. Ich ignorierte sie während sie auf Cyneburgs Rücken Platz nahm wie ein Kamelreiter.
Kaum bei Otis angekommen, schielte ich ihn finster von der Seite an. “Ist einer deiner guten Tage, was? Guten Morgen Ardin, schön dich zu sehen Ardin, wie geht es denn meinem Jungen, Ardin?“, biss ich ihm von unten entgegen wie eine vernünftige Unterhaltung in einem anderen Universum ausgesehen haben könnte. Es war unfair die Ben-Karte zu ziehen. Aber ich benutzte sie gerade deshalb so verdammt gern. Ich würde Otis nicht den Gefallen tun, noch einmal nachzufragen was er mit dem Sergeant zu schaffen hatte, den er ganz offensichtlich aus der Nachtwache gefischt hatte. Die Nachtwache. Wütend stellte ich fest, dass mir das offensichtlichste entgangen war. Oh, Otis Rhode, ich hätte dir in diesem Moment noch doppelt und dreifach eine verpassen können. Ich biss die Kiefer fest aufeinander. “War der verdammte Sergeant auch noch dumm genug etwas davon aufzuschreiben?!“ Den Blick stur geradeaus gerichtet, brach ich meinen gerade eben erst gefassten Entschluss, nichts mehr zu der Sache zu sagen. Bevor ich nicht vor Otis im Dreck rutschte, würde der sowieso nicht mit der Sprache herausrücken. Oh das würde ihn noch etwas kosten! Den Dreckskerl Finsteren Blickes schob ich mich an Otis‘ Seite die Leman Street hinunter und war plötzlich auf perfide Weise dankbar für all den Gestank und den Dreck und die selten gewaschenen Leiber, durch die wir uns zur nächsten Kreuzung arbeiten mussten. Wenigstens die schlugen nicht zurück.

