Mit der krächzenden Dohle auf meiner Schulter folgte ich Otis finsteren Blickes zurück in Doyles Büro um ihm dabei zuzusehen wie er dem letzten der Irenhunde unsere Botschaft ins Hirn marterte. Es war der Junge, der hatte fliehen wollen. Immerhin hatte Otis ihn erwischt. Jackdaw wollte mich ausschweifend krächzend korrigieren. Sie hätte ihn gestellt. Sie und Cyneburg. Gemeinsam hätten sie ihnen den Hals gerettet. Ich schnaubte nur. Jackdaw hatte uns die verdammte Suppe überhaupt erst eingebrockt. Sie war auf Posten und hätte Alarm schlagen müssen sobald die verdammten Iren überhaupt in die Straße gebogen waren, ja, in dem Moment, in dem die dreckigen Kinder zu atmen begonnen hatten. Jackdaw war sich sicher, dass das mein Fehler gewesen sei, ich hätte sie ausgeblendet, sie hätte sich schon früh genug gemeldet, aber unsereiner war ja mit Sir Doyle vom goldenen Pferd beschäftigt gewesen. Sie hatte Recht, ich hatte sie ausgeblendet. Aber das war kein Grund ihr das zuzugestehen. Ich brummte und ging im Raum herum, sammelte die letzten Waffen ein, die die Iren bei sich getragen hatten, klopfte grob die Taschen ab, fand noch eine Uhr und steckte sie ein.
Zwei Messer fand ich noch und brachte sie zurück zur Tür. Ich wollte sie ablegen und eine Runde nach unten machen um dort nach dem Rechten zu sehen, aber als ich mich hinunter gebeugt hatte, um die Messer auf den Boden fallen zu lassen, und dabei war mich wieder aufzurichten, wurde mir schwarz vor Augen. Ich lehnte mich mit dem Rücken im Stehen gegen die Wand und schloss für einen Moment die Augen bis es besser wurde. Jetzt da die Anspannung des Kampfes nachgelassen hatte fühlte ich die Müdigkeit. Die Abgeschlagenheit, die nach großer Anstrengung folgt und die allgemeine Ausgezehrtheit, die mich seit dem Morgen und der durchwachten Nacht verfolgt hatte. Das letzte Mal das ich mich schlafen gelegt hatte, war ich in einem wahrhaft apokalyptischen Albtraum gelandet. Das hatte mir wieder für eine ganze Weile gereicht. Jetzt rächte sich das. Ich biss die Zähne zusammen.
Als ich die Augen wieder öffnete, rannte der verstörte Junge verschmiert mit meinem Blut an mir vorbei durch den Türrahmen und die Treppe runter. Die gute alte Botschaft. Ich sah zu Rhode und teilte die unendliche Müdigkeit in dessen Blick als wäre es meine körperliche Erschöpfung, die ich im Augenblick fühlte. Ich hasste es, zu alt zu werden für all das hier. Ich hasste es so sehr. Jeder der mir genau das jetzt ins Gesicht gesagt hätte, dem hätte ich eine verpasst. Aber es waren diese Momente, die es einem immer wieder unaufhaltsam und gnadenlos vor Augen führten. Du willst wissen, wie kaputt du bist? Frag die Straße. Das alte Spiel.
Immerhin, Verstärkung war unterwegs. Ich nickte. Vielleicht eine Spur dankbar. Zog dann die Brauen hoch, den Blick auf die bewusstlosen Leiber am Boden des verwüsteten Büros gerichtet. „Das wird Mulligan doppelt und dreifach extra zahlen, so viel ist sicher…“, prophezeite ich. Aber ich meinte das ernst. Ich würde es ihm vorrechnen wenn nötig. Den Weg bis hierher, die Ermahnung, Verhör, Verletzung im Dienst, Auseinandersetzung mit einer Straßengang. Oh das würde ihn noch kosten, dass er uns geschickt hatte. Nichts geringeres hatte der Mistkerl verdient.
Mein Blick fiel auf Doyle. Ich nickte in seine Richtung, während ich mit der gesunden Hand den Verband um mein Gelenk löste. „Wir sollten Doyle rausziehen und ihm nochmal die Spielregeln klar machen. Könnte sein, dass ers noch nicht verstanden hat.“ Meine Stimme zeigte dabei nicht viel Enthusiasmus. Aber das war mehr eine Notwendigkeit. Da fragte keiner nach Lust. Ich lenkte den Blick auf mein Handgelenk, das von dem Behelfsverband freigelegt wurde und sah dann ausdruckslos dabei zu wie Jackdaw meinen ausgestreckten Arm hinunter trippelte um beinahe vorsichtig den Schnabel in dem Messerschnitt zu versenken.

