Mulligan und dem alten Hurensohn dafür noch etwas extra aus der Tasche ziehen. Ich schnaubte trocken auf. Ardins Fantasie wollte ich haben. Aber ich war mir sicher, ich würde dem Versuch wohl persönlich beiwohnen dürfen, wenn Mulligan uns für die Scheiße hier ins Gebet nahm. „Oh, sag ihm das doch am besten direkt, wenn er uns den Arsch aufreißt für den Tumult vorne an der Whitechapel Road“, erwiderte ich in triefendem Sarkasmus, aber sagte nichts weiter dazu. An einem anderen Tag vielleicht, aber heute würde ich ganz sicher nicht eingreifen, sollte Mulligan sich doch mit Ardins sturem Schädel auseinander setzen. Das hatte der Mann sich verdient, in dem er uns hier hatte reinlaufen lassen. Auch wenn ich wusste, worauf es hinaus laufen würde. Wenn Ardin dem Superintendant ans Bein pisste – und das würde er, der Mann würde schon wegen all dem Aufsehen hier auf Kohlen sitzen –, dann saß der am Ende am längeren Hebel. Und wenn der Mann meinte, er musste das unter Beweis stellen – und das meinte er häufig – dann ging das nur hässlich aus. Das einzige, was mir unklar war, war warum ich in dem Fall so verdammt häufig im selben löchrigen Boot saß wie Ardin. Ich zog die Mundwinkel zurück. Sei’s drum. Vielleicht kam ich dadurch doch noch um dieses Abendessen herum, wenn Mulligan uns die Nacht durch schuften ließ. Auch wenn ich wusste, dass ich das nicht hoffen sollte. Es war die Chance meinen Jungen zu sehen und es war nett von Margory. So verdammt nett, dass ich ihr nicht vor den Kopf stoßen sollte. Nicht in dem ich eine dieser Einladungen sabotierte, nicht in dem ich mich mit ihrem Mann stritt, mit gar nichts. Das nahm ich mir jedes Mal von neuem vor. Es passierte dennoch oft genug, dass ich mit diesem Vorhaben brach.
Doyle noch einmal rausziehen. Mein Blick glitt ab, über die schlecht verputzten Wände des Pubs, die Holzbalken, die darunter immer wieder durchkamen, brummte irgendeine Erwiderung und wandte mich dann ab, als Ardin der Dohle zu fressen gab. Ich würde bald genug selbst deswegen bluten müssen. Wie gern ich Cyneburg doch Ardins Blut von den Holzdielen lecken lassen würde, aber ihr etwas anderes als mein eigenes Blut zu verabreichen hatte ich genau einmal versucht. Nie wieder seit dem. Doyle regte sich schon wieder träge, als ich auf ihn zukam. Er war halb zu Boden gerutscht und ich versetze ihm einen harten Tritt, der ihn schmerzerfüllt Grunzen und die Augen aufreißen ließ. Ich packte ihn beim Aufschlag seiner Kleidung, riss ihn in eine aufrechte Position, bis er von selbst stand und bugsierte ihn dann aus dem Raum, nicht ohne sicher zu stellen, dass er einen guten Blick darauf erhielt, wie es für seine neue Liebschaft, den O’Connells aussah. Unweit von Ardin stieß ich den Mann gegen die Wand. Ich hätte das hier auch alleine tun können. Aber was auch immer ich ihm vorzuwerfen wusste – und die Liste war lang – Ardin war nicht dumm. Er würde merken, wenn ich versuchte ihn zu schonen und er würde es nicht zulassen, mir den Versuch allein um die Ohren schlagen. Ich wusste das. Weil ich es selbst nicht anders getan hätte.
Doyle schreckte vor Ardin zurück. Guter Anfang. „Guten Morgen, Doyle“, begann ich in sarkastisch guter Laune. „Schön, dass wir wieder wach sind. Du hast nicht viel verpasst…“ Ich hielt inne, als müsse ich überlegen, ob das auch stimmte. „Oh, außer vielleicht, dass James hier jetzt eine wirklich beschissene Laune hat.“ Doyle wich noch ein wenig weiter zurück, aber ich schnitt ihm jetzt auf der anderen Seite des Gangs den Weg ab. „Das war nicht in Ordnung, das mit den O’Connells, das siehst du doch ein, mh?“ Doyle nickte heftig mit dem Kopf. Aber Doyle war ein Schisser, hier und jetzt würde er mir das Leben seiner unseligen Mutter und seiner ungezählten Schar Bälger versprechen. Die Frage war, was er morgen tat. Ich leckte mir über die trockenen Lippen. Aktuell hing Doyle lieber mir an der Brust, als Ardin, also konnte ich ihm so verdammt nah kommen, als ich fortfuhr. „Ich frage mich, was du tun wirst, wenn sie wieder an deiner Türe kratzen, machst du dann wieder die Beine breit wie eine läufige Hündin?“ – „Nein!“, beteuerte Doyle mir mit aufgerissenen Augen, „Nein, natürlich nicht! Das war ein Fehler! Nur ein Fehler. Das kom-m-mt nicht w-wieder vo-…“ Doyle hatte zu stammeln begonnen, etwa zur selben Zeit, da ich begonnen hatte den Kopf zu schütteln. Die Brauen in gespieltem Bedauern hochgezogen. „Nein. Doyle. Irgendwie überzeugt mich das nicht.“ Doyles Blick glitt zu Ardin. Kluger Junge. Er wusste, was das bedeutete.

