Ich wäre im Inneren erneut stehen geblieben, aber Mrs. James‘ energisches Nicken trieb mich weiter ins Innere und je mehr Schritte ich tat, desto mehr spürte ich wie dünn meine verbliebenen Kräfte waren. Ich zitterte jetzt heftiger als noch zuvor, schaffte es bis zu einem Stuhl und ließ mich darauf sinken. Erst als ich Ben mit den Beinen abstützte und sein Gewicht nicht mehr länger nur von meinen Armen getragen wurde, spürte ich wie das Blut in meine tauben Muskeln zurückströmte und ich hatte keine Ahnung mehr, wie ich den schlafenden Jungen so lange hatte tragen können ohne das enorme Gewicht seines erschlafften Körpers zu spüren. Ich tat es jetzt und ich spürte seine kleinen Fäuste, die sich selbst im Schlaf noch an mich klammerten. Mit der rechten Hand setzte ich den Hut ab, aber mein Blick galt nur meinem Jungen, seinem ausgezerrten kleinem Gesicht, all dem Kummer in diesen jungen Zügen, ich strich ihm über das Haar, fühlte an seiner Wange, seinem Hals, unter seiner dünnen Kleidung, sanft, ohne ihn zu wecken, doch Ben schien ohnehin zu schlafen wie ein Stein. Der Junge war nicht unterkühlt, wie ich erleichtert feststellte, der Mantel und die Nähe zu meinem Körper schienen ihn warm genug gehalten zu haben. „Haben Sie vielleicht etwas Warmes, Mrs. James, für den… für den Jungen? Einen… einen Tee vielleicht…?“, fragte ich dennoch, die Stimme rau und heiser. Ich wagte nicht nach etwas Anderem zu fragen, selbst wenn es entkräftet wie der Junge war, sicher besser gewesen wäre. Selbst Tee erschien mir so unendlich vermessen. Aber ich hatte den Kleinen so lange durch die kalten Dunkelheit getragen, wusste nicht zu sagen was oder wann er zuletzt etwas zu sich genommen hatte. Ich musste wenigstens fragen. Flehentlich sah ich zu Mrs. James auf, mir bewusst, dass ich nicht hätte hier sein dürfen, aber keinen anderen Ort an den ich hätte gehen können.
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Society of Only the winds Rudeness
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Die Wohnungstür öffnete sich noch ein Stück weiter, gab mir den Weg frei, trübes Licht drang in das dunkle Treppenhaus, das Versprechen nach Wärme, der Sicherheit einer geordneten Familie. Und dort stand ich. An der Schwelle zu dieser Wohnung, dieser friedlichen Familie, die ich aus der Ruhe des Schlafes gerissen hatte. Blutend, mit meinem verletzten Jungen im Arm, wie zwei ausgehungerte Wölfe am Rande des sicheren Lichtkegels eines Dorfes. So unsagbar fehl am Platz, gar eine Bedrohung des Friedens. Mrs. James forderte mich auf hinein zu kommen, ich hatte den Blick noch immer gesenkt, wäre gerade jetzt gerne im Erdboden versunken. Selbst die Hölle musste ein angenehmer Ort sein gegen mein unseliges Tun hier. Aber es gab kein zurück. Keine andere Chance, erinnerte ich mich an Cyneburgs Worte. Ich trat ein, trug meinen Jungen ins Innere der Wohnung, Cyneburg folgte mir auf dem Fuß. Ich kannte James‘ Wohnung in Whitechapel noch kaum. Dort wo er zuvor mit seiner Familie gewohnt hatte, war ich einige Male zu Besuch gewesen, zum Abendessen eingeladen, nie ohne Judith. Aber alle Wohnungen armer Leute waren irgendwie ähnlich aufgebaut – vermutlich galt dasselbe für die Anwesen wohlhabender Leute, aber von denen hatte ich noch nicht ansatzweise so viele betreten, um das beurteilen zu können, und hatte sie mehr als undurchblickbare Labyrinthe riesigen Ausmaßes in Erinnerung. James‘ Ältester stand vor einem Zimmer, das wohl den Kindern als Schlafstätte diente, ich mied nach kurzem Nicken bescheiden seinen Blick ebenso wie den von Mrs. James. Wie ein Hund, der sich bewusst war, dass er in fremdes Revier eingedrungen war und als Frucht seiner unsäglichen Tollkühnheit schon nichts mehr weiter tun konnte als ergeben die Kehle zu zeigen und auf Milde zu hoffen.
Ich wäre im Inneren erneut stehen geblieben, aber Mrs. James‘ energisches Nicken trieb mich weiter ins Innere und je mehr Schritte ich tat, desto mehr spürte ich wie dünn meine verbliebenen Kräfte waren. Ich zitterte jetzt heftiger als noch zuvor, schaffte es bis zu einem Stuhl und ließ mich darauf sinken. Erst als ich Ben mit den Beinen abstützte und sein Gewicht nicht mehr länger nur von meinen Armen getragen wurde, spürte ich wie das Blut in meine tauben Muskeln zurückströmte und ich hatte keine Ahnung mehr, wie ich den schlafenden Jungen so lange hatte tragen können ohne das enorme Gewicht seines erschlafften Körpers zu spüren. Ich tat es jetzt und ich spürte seine kleinen Fäuste, die sich selbst im Schlaf noch an mich klammerten. Mit der rechten Hand setzte ich den Hut ab, aber mein Blick galt nur meinem Jungen, seinem ausgezerrten kleinem Gesicht, all dem Kummer in diesen jungen Zügen, ich strich ihm über das Haar, fühlte an seiner Wange, seinem Hals, unter seiner dünnen Kleidung, sanft, ohne ihn zu wecken, doch Ben schien ohnehin zu schlafen wie ein Stein. Der Junge war nicht unterkühlt, wie ich erleichtert feststellte, der Mantel und die Nähe zu meinem Körper schienen ihn warm genug gehalten zu haben. „Haben Sie vielleicht etwas Warmes, Mrs. James, für den… für den Jungen? Einen… einen Tee vielleicht…?“, fragte ich dennoch, die Stimme rau und heiser. Ich wagte nicht nach etwas Anderem zu fragen, selbst wenn es entkräftet wie der Junge war, sicher besser gewesen wäre. Selbst Tee erschien mir so unendlich vermessen. Aber ich hatte den Kleinen so lange durch die kalten Dunkelheit getragen, wusste nicht zu sagen was oder wann er zuletzt etwas zu sich genommen hatte. Ich musste wenigstens fragen. Flehentlich sah ich zu Mrs. James auf, mir bewusst, dass ich nicht hätte hier sein dürfen, aber keinen anderen Ort an den ich hätte gehen können. |
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Only the winds - von Otis Rhode - 20.01.2022, 20:28
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