Charaktere
Otis Rhode » Ardin James
Datum & Ort
30.09.1842,
Society of Only the winds Rudeness
Das war jetzt alles. Dazustehen, neben dem Tisch. Mein Junge mittlerweile wieder an meiner Seite, sich schüchtern gegen meine Seite pressend, auch wenn er dafür eigentlich schon zu alt war, aber wer wäre ich gewesen ihn in diesem Moment zurecht zu weisen? Versichernd legte ich ihm die Hand auf die Schulter. Margory tauchte auf, Patrick und die Kinder tauchten auf und allen sah ich entgegen. Erwiderte ihre grüßenden Worte als wäre wir uns auf der Straße begegnet und nicht in ihrem eigenen Heim. Ja, das war jetzt alles. Ardin war inzwischen wieder da und ich konnte sehen, wie die neugierig glotzenden Blicke der Kinder jetzt hilfesuchend zu ihrem Vater wanderte. Ich hatte das Bedürfnis etwas zu sagen, etwas zu erklären, aber ebenso wie die Kinder wusste ich, das dies dem Herrn des Hauses oblag. Es wäre anmaßend gewesen ihnen mitzuteilen, dass Ben nun in ihrer Mitte wohnen würde, wäre es nicht? Erwartete James, dass ich das jetzt machte? Seiner Familie das zu erklären? Die wenigen Worte, die James für seine Frau übrig hatte, waren schnell gesagt und damit war er auch schon halb aus der Tür und die neugierigen Blicke lagen wieder auf mir und meinem Jungen. Ich sah zu Margory, der nächsten Machtinstanz in diesem Haus und sie sah mir entgegen, fast so etwas wie ein Kopfschütteln andeutend unter ihrem liebevollen Lächeln. „Geht schon, ich werde das machen“, versicherte sie mir. „Danke“, flüsterte ich kaum hörbar vor Verlegenheit. Mein Hand, wanderte von Bens Schulter auf seinen Kopf, fuhr ihm über das dunkle Haar und er sah zu mir auf. „Geh der Tante helfen, Ben. Wir sehen uns am Abend, ja?“ Er nickte und ich konnte sehen, wie seine Augen wässrig wurden. „Nicht weinen, Ben, nicht…“, brummte ich mit so viel Schärfe, wie ich in der Situation aufbringen konnte, und er zog brav die Nase hoch und reihte sich bei Margory ein.

Ich zog das Jackett wieder über, den Mantel, griff nach meinem Hut, wusste noch immer nicht, ob ich nicht irgendetwas sagen sollte, aber Ben ließ sich bereits unter Margorys wachsamen Augen von Fred in die Geheimnisse der Frühstücksvorbereitung im Hause James‘ einweihen. Patrick, der einzige der alt genug sich nicht so unbescholten jeden Gegebenheiten anzupassen, sah noch immer reichlich verwirrt drein, aber ich konnte nur zum Abschied knapp nicken und Ardins aufforderndem Blick folgen.

Wir ließen das Haus hinter uns und mein Blick wanderte zu dem ungewöhnlich klarem Himmel an diesem Septembertag, atmete langsam die kohlestaubschwere Luft der Stadt ein. Cyneburg trabte an meiner Seite und es hatte lange nicht mehr so lange gedauert, bis ich unter ihren sich überschlagenden Gedankengängen hätte erkennen können, was sie mir mitteilen wollte. Dass sie mich für verrückt hielt, das wusste ich. Dass sie es falsch fand den kleinen Welpen irgendwo zu lassen, wo wir ihn nicht im Augen hatten, wusste ich ebenso. Und sie wusste, dass sie das alles wusste und ich das alles wusste. Nein, das war nicht der springende Punkt. Es ging um einen neuen Zug des Wahnsinns, den sie mir nicht zugetraut hätte und der sie in helle Aufregung versetzte. Was am Morgen geschehen sei, zwischen Ardin und mir. Was? Bitte, was?! Die Dohle hätte ihr das erzählt, aber sie konnte es nicht glauben. Das war neu. In aller Regel glaubte Cyneburg fast jeder Nachrichtenquelle mehr als mir, ganz besonders der Dohle – und das ließ ich sie auch feixend wissen. Ich solle nicht vom Thema ablenken. Konsequent verbannte ich die Hündin aus meinen Gedanken. Mir war an diesem Morgen nach allem möglichen, aber sicher nicht danach meine sensationsgierige Vertraute über das aufzuklären, was sie am Morgen verpennt hatte. Was zwischen mir und James gewesen war. Und das mir schon in diesem Moment hier draußen auf der Straße wie aus einer anderen Wirklichkeit vorkam. Vielleicht war ich ja zusammen mit James eingenickt und danach ein wenig zu hart auf dem Boden aufgekommen.


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