Schmerzen konnte er wenigstens spüren, Schmerzen spürten sie alle. Aber anstatt zu reagieren und mir eine zu verpassen, schob der Kerl mich nur weg. Ich fand mein Gleichgewicht zurück – es wäre auch niemand mehr hinter mir gewesen, der meinen Sturz hätte abfangen können – und sah mit hämischem Grinsen zu dem Langen hoch, der sich nur minimal gerührt hatte um mich wieder loszuwerden. „Was ist, hast du Angst, kleiner Docker?“ Mein süffisantes Grinsen wurde nur noch niederträchtiger. Mir gefiel der Gedanke, dass es Angst sein könnte, die den Langen abhielt. Immerhin war er nicht aus dem Weg gegangen. Er stand immer noch hier. Es war offensichtlich, dass es keine Angst war. Aber wie alt war der Lange? Noch nicht alt genug um den Vorwurf, Angst zu haben noch auf sich sitzen zu lassen, oder? „Vielleicht solltest du dann nächstes Mal nicht mehr in meinem Weg stehen, wenn ich hier lang gehe.“, gab ich ihm den Rat und funkelte selbstzufrieden zu ihm hoch während ich fühlte, dass mein Gleichgewicht doch mehr unter der vergangenen Nacht gelitten hatte als ich es vermutet hatte.
Er tat mir den Gefallen nicht. „Verpiss dich einfach, Suffkopf“ Er klang nach London, der Kleine. Ich fing den warnenden Blick auf, stierte ihm einen Moment stumm und ausdruckslos entgegen. Als würde ich darauf warten, dass sich mein Schwanken wieder einstellte. Fast enttäuschend diese resolute Haltung des Langen. Ich verzog das Gesicht schließlich zu einer grinsenden Grimasse, dann spuckte ich abfällig vor dem Langen aus und gab es auf. Es hatte keinen Zweck. Ich versuchte ja doch nur, den Moment hinaus zu zögern an dem ich zuhause ankommen würde. Besser ich machte mich auf den Weg. Ich wollte mich abwenden, aber ich bekam erneut das Schwanken, kippte, jemand Griff nach mir um mich aufzufangen. „Hey!!! Fass mich nicht an, ja!!!“, herrschte ich den Fremden an, mich nur wage in die Richtung drehend und dabei wieder stolz auf meine eigenen Füße zurück kehrend – immerhin einen Rest Gleichgewichtssinn besaß ich noch. Das war nur ein Moment der Schwäche gewesen, so viel war sicher. Kein Grund mich gleich auf eine Bare zu packen. Ich hatte hier schließlich gerade einen Punkt gemacht. Also rückte ich meinen Mantel zurecht und machte mich daran, meine Unternehmung fortzusetzen, mich abzuwenden und meines Weges zu ziehen.
Und dann kam dieser Satz. Von Imps und einer Höhle. Zu kurz geraten. Ich blieb stehen. Wie fest gefroren in meiner Bewegung. Ich presste meine Lippen kurz zusammen, nicht benennen könnend was es war, das mich in diesem Moment ergriff. Ich drehte mich um, langsam nur, aber mit angemessener Geschwindigkeit, wie ich fand. Ich nahm mir die Zeit, kam zurück. Zurück bis meine Schritte mich vor den Langen geführt hatten, ich dicht vor ihm stehen blieb und mit schmalen Augen zu ihm nach oben sehen konnte. „Was hast du gesagt?!“, hakte ich mit gefährlich leiser Stimme nach, die ernsthafte, ruhige Abscheu auf meinem Gesicht zur Schau getragen. „Sag das nochmal, kleiner Docker, sag mir das ins Gesicht.“ Mein Finger zeigte wie gerufen auf meine Visage während ich den Langen ansah ohne zu blinzeln, die Nase kraus gezogen in meiner herablassenden Abscheu. Und nur nebenbei nahm ich wahr, wie alles in mir danach schrie, dass der Lange der Aufforderung einfach nachkam. Die Faust zu meiner Rechten war längst schon wieder geballt.


