Schnell war er, das musste ich dem Kerl lassen. Das oder es war die dröge Erschöpfung, die meine Wahrnehmung verzerrte. All die Wochen der stumpfsinnigen Arbeit. All die Tage an denen ich die Armee und was sie mich gelehrt hatte, versucht hatte zu vergessen. Das hatte ich jetzt davon. Im Schwitzkasten gefangen wie ein Schuljunge in der Rangelei mit einem Gleichaltrigen. Ich stöhnte noch vor dem dumpfen Schmerz in meiner Magengrube, als der selbsternannte Herr des erbärmlichen Rotherhithe längst seine Reden schwang. Ich bleckte die Zähne unter der blanken Anstrengung meine Finger unter den gut gesicherten Griff des Kurzen zu bekommen, mich irgendwie los zu kämpfen – oder doch wenigstens etwas mehr Luft zu bekommen. Viel bekam ich nicht mit in der blanken Panik, die der Luftmangel und die starken Arme um meinen empfindlichen – so zerbrechlichen – Nacken in mir auslösten. Aber dass es eine Drohung war, das konnte ich mir trotz allem zusammenreimen, konnte irgendetwas von Haien und Kielhohlen aufschnappen. Wenn das nicht alles dafür sprach, dass der Janner auch noch ein stinkender Matrose war. Aber sicher doch, was taten die auch sonst im dahinrottenden Devon wenn ihnen die stinkenden Fische zum Fressen ausgingen? Da blieb nur die Navy für einen Janner. Beim Herrn im Himmel, den Arsch versohlt von einem Matrosenbengel, ich war wirklich eine Schande für das ganze 48th… Der Gedanke putschte meinen Widerstand noch einmal auf. Immerhin hatte der Bursche nicht die Körpergröße mich nach oben zu zerren, mir endgültig die Luft abzuschnüren, allein durch mein eigenes Körpergewicht, wie man das bei einem solchen Griff sonst tat. Aber was es dem Kurzen an Größe fehlte, machte er mit reiner Kraft wett, verzweifelt versuchte ich weiter eine Hand unter seinen Arm um meine Kehle zu bekommen. Mich los zu reißen, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, wie mir das vielleicht in einem besseren Zustand gelungen wäre – aber der Imp stand wie ein Fels. Ich kam nicht frei, meine Schulter knallte mit jedem erfolglosen Versuch nur immer wieder gegen den Oberkörper des Kerls und ich spürte, seinen Griff fester werden. Spürte wie mir die Luft eng wurde, wie jeder Versuch mich zu Befreien zu einem erhöhten Risiko wurde und mir gleichzeitig viel zu viel von der Kraft raubte, die ich nicht hatte. Ich würde mir an dem stählernen Griff des Kurzen eher das Genick brechen, als frei zu kommen und so tat ich das einzige, was mir übrig blieb, ich schlug mit der flachen Hand gegen seine Eier. Nicht hart, nur so, dass er reflexartig eine Hand von seinem Schwitzkasten lösen musste – keinem Mann wäre es wohl gelungen das nicht zu tun. Die Gelegenheit nutzend drehte ich augenblicklich die Schulter ein, damit er den Griff nicht wieder schließen konnte. Gewaltsam riss ich seinen verbliebenen Arm um meinen Hals mit dem Körper nach oben und jagte dem Kurzen gleichzeitig den Ellbogen, gegen seine Rippen, um mich weiter hinter seinen Körper drehen zu können. In der Bewegung bekam ich Stoff und blanke darunter arbeitende Muskeln zu fassen. Ich packte den Arm des Janners und drehte ihn mit mir, versuchte ihn hinter seinem Rücken zu fixieren und ihn mit der blanken Gewalt letzter Kräfte nach unten zu drücken. „Versuch… es… doch…“, gelang es mir unter drei heftigen Atemzügen zu keuchen.
Und ich wusste: Das würde er tun.

