Bis er plötzlich an der Straßenecke Halt machte.
Just in dem Moment in dem ich ihm das von unserem König um die Ohren haute. Doch ein wenig überrascht von dem plötzlichen Halt blieb ich ebenfalls stehen, um dem Docker nicht in die Hacken zu laufen und beobachtete neugierig wie sich ein ernster, ja nachdenklicher Ausdruck auf sein Gesicht legte. Was war das? Wollte der Lange etwa seinen Fehler einsehen, mir Recht geben und auf der Stelle kehrt machen? Aber nichts dergleichen war der Fall, den Gefallen würde er mir nicht tun, dabei hätte ich ihn dafür so schön auslachen können… Aber nein, stattdessen beobachtete ich fasziniert wie sich seine Augen fast unbewusst ein wenig regten, wie er die Position wechselte, zwischen seinen Füßen auf den Boden sah als denke er nach. Der Junge orientierte sich! Verdammte Scheiße, der hatte aus meinem Spruch tatsächlich seine Orientierung gezogen! Gar nicht so dumm, wie ich ihn eingeschätzt hatte, der Lange! Wirklich faszinierend. Und über die Feststellung alleine, schob sich schon das faszinierte Grinsen in stummer, spöttischer Anerkennung auf mein Gesicht.
Nur so lange bis dieser Transport vorbei ratterte. Der Docker wandte sich reflexartig ab und alleine weil er es tat, tat ich es auch. Wenn sich einer weg duckt, machst du das auch. Spätestens wenn dir zum ersten Mal Kanonen und Holzsplitter um die Ohren geflogen sind nachdem jemand „DECKUNG!!!“ gerufen hat und du nicht drauf gehört hast. Klar, dass man sich dann abwendet. Klar, dass man dann zum Nebenmann sieht um zu schauen obs dem gut geht. Ich traf den seltsam solidarisch unsicheren Blick des Dockers und blickte über dessen Schulter vorbei. Erkannte das Gitter der Gefängniskutsche und fühlte doch einen Moment meinen Magen flau werden. Bevor mich die Wut über diesen Zirkus packte. Wegen diesem Docker duckte ich mich schon vor Kutschen weg…
Aber bevor ich Otis-Road diese Wut spüren lassen konnte, war der schon auf und davon, bevor ich mich überhaupt umgesehen hatte. Mein Blick ging herum und ich konnte ihn gerade noch entdecken, wie er jetzt zielsicher die nächste Straße ansteuerte. Der hatte sich doch tatsächlich orientiert… Aber schnurstracks gerade aus war er eben schon gegangen, das musste nichts bedeuten. Und doch – ich war neugierig wohin er ging. Wenn er sich verirrte wollte ich das nicht verpassen. Und wenn nicht und er wirklich meine Bewunderung verdient hatte… dann… Er würde sich ja doch nur verirren. Trotzdem machte ich eilig, dass ich hinter ihm her kam und holte ihn gerade so ein. Mein Blick ging über vorbei hastende Menschen und fremde Straßenecken, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, sobald ich zu dem Docker aufgeschlossen hatte. Neugierig sah ich auch in die Höhe, um zu schauen, ob man hier zwischen den Häusern noch den Himmel entdecken konnte, immer darauf bedacht, den Docker nicht zu verlieren, der mit einem Mal ganz genau zu wissen schien, wohin er wollte.
„An den Docks arbeitest du nicht“ Ich wich gerade einem auf der Straße stehenden Karren aus, als mein Blick bei der Frage zurück zu dem Docker ging. Ein wenig verwundert, ein wenig finster. Hatte er es sich also doch gemerkt, der Docker. Obwohl er nichts gesagt hatte. Nicht in der Bow Street. Aber wenn er es mir jetzt hier sagte, dann würde er damit ganz sicher nicht mehr zur Bow Street rennen. Das würde er doch nicht, oder? „Hat dich denn kein Schiff mehr nehmen wollen, he?“ Bitter schob sich eine Grimasse von einem Grinsen über mein Gesicht, bevor ich abfällig neben mir auf die Straße spuckte, die Road mit seinen langen Schritten viel zu schnell hinter sich ließ. „Das hättest du gerne, he? Vielleicht wollte ich ja kein Schiff mehr.“, erklärte ich trotzig und konzentrierte mich mit sturem Blick geradeaus darauf, mit Roads Tempo Schritt zu halten. Mit einem Mal fiel es mir nicht mehr sonderlich schwer, die selbe Selbstsicherheit wie Road an den Tag zu legen. Mit sturer Wut schritt ich jetzt voran. „Ich wollte zur East India. Wegen der Heuer.“ Noch zwei rasche Schritte durch Matsch und Schlick. „Und dann hab ich Mrs James getroffen, wenn du verstehst.“ Jetzt grinste ich doch kurz zu dem Langen hoch, bevor ich wieder geradeaus sah und mein Blick wieder ernster wurde. Ich zog die Nase hoch. „Ich wollte zur River Thames Police. Gestern. Wegen der Arbeit.“ Ich warf einen Seitenblick zu dem Langen hoch, beinahe misstrauisch. Sah dann wieder stur geradeaus.
„Die haben mich aber nicht genommen.“


