„Wenn der Alpträume hat, dann werden die sich nach heute allesamt um dich und das Schreiben drehen… Vielleicht sollte ich dir ja ehrenhalber die Kerbe in meinem Tischbein überlassen dafür.“ Sprachlos zog ich die Brauen hoch und starrte Rhode noch einen Moment hilflos an. Der Rhode scherzte tatsächlich. Ich senkte den Blick zurück auf den Tisch vor mir, stumm wie ein Fisch dabei weil ich einfach nicht wusste, was ich darauf sagen sollte. Vielleicht war der Tag auch einfach schon zu lang gewesen. Der Schock darüber, dass Rhode tatsächlich scherzte und offenbar die ganze Zeit schon gescherzt hatte, saß tief. Das war wirklich… Das war fast wie ein Rhode-Gütesiegel auf meinen Unternehmungen. Und ich konnte nicht anders als es misstrauisch zu betrachten und zwischen die Zähne zu nehmen um zu prüfen ob es nicht unecht war. Es war fast so als lauerte da noch irgendwo ein Hinterhalt, den ich nur noch nicht sehen konnte, aber dennoch meinte zu wittern. Ich schluckte trocken. Wusste noch immer nicht was ich sagen sollte. Bei jedem anderen Thema hätte es mich sicher nicht so sprachlos gemacht, solche feixenden Worte von Rhode zu hören. Aber bei diesem hier… Ich konnte nicht sagen woran es lag. Schließlich schnaubte ich doch noch zaghaft. „Die bekommst du da nicht raus. Und wenn du das Tischbein absägst.“, brummte ich und versuchte mich auf das Papier vor mir zu konzentrieren ohne etwas zu sehen. Schließlich glitt dann aber doch ein Grinsen über meine Züge. „Wenn ich bei dem im Traum lande seh‘ ich dich wie du am Kai stehst und hilflose Seelen in die Themse stößt.“
Ich schielte gerade aus dem Augenwinkel hinüber zu Rhode als sich – ungewöhnlich zu dieser späten Tageszeit – die Tür zu unserer Abstellkammer öffnete und ein Sergeant im Rahmen stehen blieb. „Detectives, gut dass ich Sie noch antreffe. Blacksmith, der Pfandleiher hat soeben die Abgabe eines der Bonham Diamanten gemeldet. Ein junger Kerl wollte sie abgeben, der nicht auf unsere Beschreibung des Diebes passt. Blacksmith hält ihn zur Zeit fest.“ Ich sah zu dem Mann, zog die Brauen hoch. Die Pfandleiher – so sie denn eine ausreichende Entlohnung einstreichen durften – hielten hier und da die Augen nach Diebesgut offen. Und die Diamanten aus dem Bonham Store waren nun schon sehr lange verschwundenes Diebesgut. Das Problem war, Bonham war Rhodes Fall gewesen. Aber Blacksmith war mein Pfandleiher. Ich warf einen Blick zu Rhode rüber. „Dein Fall, mein Mann. Ich begleite dich.“, beschloss ich kurzerhand, stand auf und nahm Mantel und Hut. Das würde mich um meinen Schlaf bringen. Mit etwas Pech würden wir für den Rest der Nacht beschäftigt bleiben. Aber vielleicht war es besser so. „Machen Sie die Kutsche fertig, einen Trupp Constables, Gefangenentransport, Sergeant.“, wies ich knapp an. Der Mann nickte und verschwand um die Vorbereitungen zu treffen.


