Wobei… wenn ich es mir recht überlegte… beim Klang dieser Stimme hinter uns beschloss ich, dass Rhode den Mann gerne haben konnte. Ich würde andere finden. Sehr viele andere. Mein Blick ging geradeaus, vorbei an dem Sergeant, der jetzt weg geschickt wurde und den ich keines Blickes mehr würdigte auch wenn er kurz hoffnungsvoll zu mir herüber sah, als erhoffte er sich wenigstens von mir lobende Worte wenn sie schon nicht von Rhode kamen. Aber das konnte der vergessen. Keine Zeit und keine Lust einem Sergeant den Rücken zu kraulen. Und eigentlich auch nicht, dem Pfandleiher das Maul zu stopfen, den ich gerade noch so eisern vor Rhode hatte verteidigen wollen. Ich ließ ausnahmsweise Jackdaw in meine Gedanken und fragte sie nach kreativen Vorschlägen, was man mit dem geldgierigen Geschäftsmann anstellen könnte und obwohl sie im ersten Moment eingeschnappt war, nur für solche Fragen in meine Gedankenwelt eingelassen zu werden, gefiel ihr die Frage doch zu gut und schmeichelte ihr der Bedarf ihrer Expertise zu sehr als dass sie lange hätte schweigen können. Und so erschienen bereits wundervolle Bilder vor meinem geistigen Auge während Rhode und ich uns träge zu Blacksmith umwandten.
„Haben Sie den Diamanten denn gefunden?“ - „Nein… nein“ Oh Rhode, überfordere den armen Mann nicht gleich. Ich ließ den Blick an Blacksmith herunter wandern. Nicht seine einnehmendste Gestalt, die er an den Tag gelegt hatte. Er trug lange Gewänder in bunten Farben, die aber längst bessere Tage gesehen hatten und daher in gräulichen Varianten glänzten. Faszinierender hätte man an der Sache allerdings finden können, dass der Mann, als ich ihn das letzte Mal getroffen hatte, um einiges größer gewesen war. Würde man Blacksmith danach fragen würde der dreist behaupten, das sei einer seiner Mitarbeiter gewesen. Tatsache aber war, dass der Magier die Fähigkeit des Gestaltwechselns sein Eigen nannte und Probleme gerne damit vertagte, dass man sie ja mit einem anderen seiner zahlreichen, selbstverständlich nicht real existierenden, Mitarbeitern hatte und sie ihn deshalb nichts angingen. Leider funktionierte die Masche mit uns nicht. Wir kannten sein Geheimnis. Und gerade deshalb war es normalerweise von Vorteil für den Mann, sich auf diesen Deal mit uns zu berufen, anstatt dermaßen gierig zu werden. Aber nun gut, die Bonham Diamanten ließen wohl jeden in dieser Stadt ein wenig über seine Stränge schlagen.
Tatsächlich brauchte es einen Augenblick bis Blacksmith ein Argument für seine Sache fand. Das war allerdings direkt schlagend. Mit mäßig interessiert hochgezogenen Brauen beobachtete ich die Klinge des Degens in seiner Hand dabei wie sie unter der Ausführung ihres Trägers fahrig hin und her schwenkte und genoss im Stillen die Vorschläge, die Jackdaw in Bezug auf stumpfe Metallklingen im Angebot hatte. Ich fragte sie in Gedanken ob sie auch noch ein wenig Teekuchen dazu reichen würde und ich brachte sie damit über mir auf dem Dach tatsächlich zum krächzenden Gackern. Und dieses Nervenbündel hier sollte nun mein Problem werden? „Dein Mann.“ Yep. Kein Wunder, dass Rhode mir den bereitwillig überließ. Warum hatte ich mir überhaupt Sorgen gemacht? Ich ließ den Blick verträumt auf Blacksmiths Degen liegen während Rhode abzog. Einen Moment starrte mich der Pfandleiher erwartungsvoll an. Ich starrte seinen Degen an. Dann hob ich abrupt den Blick und atmete tief durch, um mich für das Kommende zu sammeln. „Also Blacksmith…“, begann ich und ließ den Blick über Regale voll staubiger Utensilien wandern, die irgendjemand irgendwann gezwungen gewesen war zu verpfänden. Und in Notsituationen kamen Menschen auf die verrücktesten Ideen, was sie so alles verpfänden könnten. Einmal abgesehen von Blacksmiths ausgeprägtem Sammelwahn, der ihn wohl dazu brachte ab und an einige Dinge als Trophäen außer der Reihe zu kaufen. „Wie kam der Junge hier herein, von wo ist er hier reingebogen, was hat er gesagt und was hast du ihm geboten?“, fragte ich gelangweilt, aber dennoch vergleichsweise sachlich – man wollte ja nicht unhöflich sein, nicht wahr? Jackdaw kicherte und ausnahmsweise machte es mir nicht einmal etwas aus, dass sie sich amüsierte. „Fangen wir von vorne an, vielleicht überlege ich mir dann noch, was uns dein Einsatz wert ist.“ Ich ließ den Blick langsam zurück zu Blacksmith wandern und erkannte stumm wie erhofft das gierige Glitzern in dessen Augen.


