Da erklang Ardins Stimme wieder. Ich sah nicht zu ihm, aber ich sog jedes Wort auf, verwob es mit meinen Überlegungen. Nicht des guten Willens wegen. Nein, das hätte mich auch wahrlich überrascht. Und auch nicht für den kurzfristigen Ruhm in einem Zeitungsblatt Erwähnung zu finden. Ich nickte. Ein Vorteil für sich. Ich nickte einmal mehr bedächtig. Ja, das mochte wohl sein. Das klang nach dem Art Charakter, den ich von Blacksmith bisher erwartet hätte. Und dann sagte Ardin etwas, das mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Etwas, das an diesem Abend kein außer sich mit einem Degen umherfuchtelnder Pfandleiher und kein Wiegenlieder summender Irrer bisher vermocht hatte. Ich berührte die Knöpfe meines Mantels, als wollte ich sie schließen, doch ich wusste selbst, dass es mir nicht vor Kälte fröstelte. Ob sie im Untergrund wohl verflucht waren, die Diamanten. Ich schloss nur einen Moment die Augen. Genug unschuldiges Blut klebte jedenfalls an ihnen. Aber ob ihr Wert darüber – oder über irgendetwas anderes – gesunken sein mochte? Geld war am Ende Geld und Skrupel oder Zweifel, sie waren von wandelbarer Gestalt, so sagte mir meine Erfahrung.
‚Ts‘, machte ich also und schnalzte spöttisch mit der Zunge, versuchte darüber die Kehlen wieder frei zu bekommen und wandte den Blick kopfschüttelnd ab, als mir der absurde Gedanke kam. „Vielleicht bekommen die ja am Ende ein Gewissen“, meinte ich dann skeptisch amüsiert. „Das wäre immerhin ein Trick, den so alte Hunde wie du und ich noch nicht gesehen haben.“ Und damit schüttelte ich endgültig den Kopf, wurde wieder ernst. Ein solches Verhalten, als sei eine Ware verflucht, bedeutete im Untergrund meist eine Sache. Davon hatte ich zwar bisher nichts gehört, aber es war durchaus vorstellbar… „Nein, ich weiß es nicht. Es ist ein Diamant von Dreien und sie wurden so wir wissen bisher nicht zu Geld gemacht, nicht an einschlägiger Stelle jedenfalls. Mag sein jemand oder eine Gruppe hat die Diamanten für sich beansprucht. Einen Bann über sie gesprochen.“ Ich dachte einen Moment nach. „Vielleicht hatte Blacksmith am Ende gar nicht vor dem Jungen Angst gehabt…“ Genug Angst so ein großes Stück auszuschlagen, genug Angst etwas, das zu einem kleinen Vermögen hätte werden können, ohne Zögern der Polizei zu überlassen, nur um den Fluch los zu werden. Ich blickte zurück über die Schulter, wohl wissend, dass ich schon nicht mehr bis zu Blacksmiths Laden würde zurück sehen können. „Lust Mulligan zur Weißglut zu treiben?“, fragte ich. Rhetorisch versteht sich. „Lassen wir Blacksmiths Laden die nächsten Tage überwachen, nur zur Sicherheit. Falls außer uns noch einer wissen will, wie das mit dem Diamanten ablief.“ Mulligan würde toben bei so einer Ressourcenverschwendung. Er hielt nichts von Bow Street Ermittlungsmethoden. Und gut möglich, dass es tatsächlich zwecklos war, einen Constable dafür abzustellen. Aber falls einer die Diamanten „verflucht“ hat, dann bezweifelte ich, dass Blacksmith in dessen Augen aus dem Schneider war, nur weil er das Stück den Peelern überlassen hatte.
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