Keiner hätte das gerne gesehen. Nicht einmal die Offiziere. Ich starrte ausdruckslos in die Leere vor mir. Noch immer unbestimmt in Richtung des arbeitenden Janners, aber ohne ihn oder seine Hände wirklich zu sehen dabei. Sie waren anders gewesen, die Offiziere, die ich aus der Kolonie kannte, die die Hiebe so großzügig verteilten als seien es Allerseelenkuchen für die Armen. Und ich konnte nicht einmal sagen, ob sie es genossen hatten, ob sie grausam waren. Auspeitschungen und Prügel hatten in diesem Regiment schlicht derart zum Alltag gehört, dass es die Soldaten zu einer merkwürdigen Art des Widerstands getrieben hatte. Traf es dich, so hattest du die Strafe so gleichmütig wie nur möglich zu ertragen. Diese Mischung aus alltäglicher Gewalt und dem Unterdrücken jeglichen Schmerzes hatte eine seltsame Wirkung gehabt. Es war eine Art der abgestumpften Gleichgültigkeit, die sich durch alles hindurchgezogen hatte, ob Offizier oder Soldat, ob eine Auspeitschung auf dem Richtplatz oder jeder andere Akt der Gewalt. Ich hatte den Zweck hinter all dem falschen Stolz nie begriffen. Aber an die stumpfe Gleichgültigkeit gegenüber jeder Gewalt, gegenüber dem Leben, gegenüber Gott, an die erinnerte ich mich. An die Gleichgültigkeit und an den Geschmack von Blut und Sole.
Ich bemerkte irgendwo am Rande meiner Wahrnehmung, dass der Janner mich ansah. Ich schüttelte die Erinnerung ab, blinzelte, um wieder in der Gegenwart anzukommen. Nur ein schlechter Bootsmann brauchte den Knüppel, ich schnaubte leise, verstand gut, was der Janner mir damit sagen wollte. Nur hatte er nicht begriffen, was ich ihm hatte sagen wollen. Das war nicht zu vergleichen. Ein einzelner Hieb aus dem Moment heraus und weil du ihn dir verdient hast, war das eine. Die Dinge, die schlimm waren, waren andere. Und der Janner schien sie ja durchaus erlebt zu haben, also. Wer jammerte da schon noch, weil ein ungezogener Gaul eine gefangen hatte?! „Das ist was anderes. Die schlagen auch nicht, um dich zu bestrafen, sondern als Abschreckung für die Anderen“, erwiderte ich. Aber es lag nicht annähernd die Überheblichkeit darin, die ich mit den Worten hatte ausdrücken wollen, müde und abwesend klang ich. Denn eigentlich, eigentlich war es ein ganz anderer Gedanke, der mich in dem Zusammenhang nicht los ließ. Ich zögerte einen Moment, fast hätte ich den Matrosen danach gefragt. Aber ich besann mich gerade noch eines besseren, trat heran zu dem Janner, überprüfte den Gurt. „Gut so“, ließ ich ihn wissen. „Aber morgen machst du die Steigbügel erst im Hof runter, erst wenn der Officer aufsteigen will. Also mach sie wieder hoch und mach ihm die Trense drauf, ich zeig dir noch wie du den Gaul in den Hof führst.“ Ich hätte nicht gedacht, dass letzteres nötig wäre, aber nach dem was ich bisher gesehen hatte, ging ich besser auf sicher.
![[Bild: otis-sig.png]](https://i.ibb.co/Hg8Psjb/otis-sig.png)

