Vielleicht besänftigte mich auch dieses Lob, das er auszusprechen gezwungen war. Gezwungen. Ich hätte es dem Langen auch zugetraut, dass er es für sich behalten hätte, wenn ich auch nur irgendetwas gut machte. Lieber hätte der sich doch auf die Zunge gebissen als das laut auszusprechen. Aber nein, stattdessen sprach er es sachlich aus als ginge es um nichts Großes. Verdammt, es ging um nichts Großes. Ich presste von Neuem die Zähne aufeinander. Das war Roads scheiß Job, sagte ich mir und richtete den Blick auf die Bügel von denen der sprach. Steigbügel erst im Hof runter. Ich fragte mich wo der verdammte Unterschied war. Wahrscheinlich reine Dekoration wie die feinen Damen ihre Röcke anhoben wenn sie einen unnötigen Schritt vorwärts machten. Der Boden auf dem sie gingen war meist viel zu sauber als dass es nötig gewesen wäre, aber wie hatte mir ein Kamerad einmal gesagt: es schickte sich so. Also Steigbügel oben. Verdammte Pinkel. Ich fragte mich wirklich was die mit zwei so undekorativen Rabauken wie dem Docker und mir bloß anfangen wollten. Oder letztendlich nur einem von uns. Ich hätte darauf gewettet, dass das unsere Wirkung auf das Interieur dieses Ladens nicht gerade schmälerte.
Ich brach meine Gedanken ab als der Lange das Wort „Trense“ in den Mund nahm. Gar nicht so weit hergeholt. Nur dass der Gaul das Ding zwischen die Zähne nehmen musste. Die Scheiße mit den Fingern im Rachen dieses verdammten Viehs. Mir lief jetzt schon der Angstschweiß den Rücken hinunter, aber davon würde ich mir nichts anmerken lassen. Ich zog die Nase hoch und lockerte die Schultern. In Ordnung, gingen wir es an. Ich schnappte mir das Ding, warf dem Gaul die Zügel über und begann dann die Riemen zu sortieren, damit da irgendwie eine Lücke für das verdammte Maul entstand. Als ich dann einmal so weit war und mich bereit gestellt hatte, damit das Pferd da auch hinein schlüpfen konnte, dachte es da nicht im Entferntesten dran. Es war von Vorteil dass der Braune so klein war – und ich wettete darauf, dass es dem Docker eine besondere Freude gewesen war, mir den weit und breit kleinsten Gaul im ganzen verdammten Stall zu geben und ich hasste ihn dafür, dass er mir in dieser Weise entgegen gekommen war, der herablassende Kerl – da ich mit der Hand in den Nacken des Tieres greifen konnte wie der Docker es mir gezeigt hatte. Aber der Gaul dachte gar nicht daran seinen Schädel dem Druck folgend zu mir hinunter zu bringen. Wahrscheinlich war ihm die Welt hier unten nicht gut genug. Ich hätte wirklich mehr Unterstützung von einem erwartet, den ich zumindest vor Schlägen zu bewahren versucht hatte. Aber nichts da. Ein Verräter, das Mistvieh. Ich hatte ja gewusst, dass man den Gäulen nicht trauen konnte. Ich verzog das Gesicht zu einer angestrengten Grimasse und begann ohne es zu bemerken vor mich hin zu fluchen. Von Bilgeratten und Küstenschiffern und von den Pfeffersäcken, die sich mit diesen vierbeinigen Biestern fortzubewegen gedachten. Es war dem Docker mit Sicherheit ein Fest. Aber ich beschloss ihn ein für alle Mal auszublenden. So langsam wurde mir der auch egal. Ich packte den Nacken des Gauls fester und machte mich schwer bis der Braune gezwungen war, doch noch den Kopf zu senken. Ich weiß nicht mehr wie ich danach den Finger in sein Maul bekam, aber mit einem Mal war meine Hand nass aber das verdammte Gebiss genau da im Maul des Pferdes, wo es hingehörte und ich hatte keinen blassen Schimmer wie ich das angestellt hatte. Aber immerhin hatte ich es irgendwie angestellt. Der Atem ging mir noch tief durch die Atemwege und finster starrte ich auf mein Werk hinab als könnte sich das Ledergeschirr mit einem Mal doch noch in Nichts und Wieder Nichts auflösen. Aber es blieb alles da, wo es hingehörte. Ein Glück. Wer war eigentlich jemals auf die Idee gekommen diese Biester reiten zu wollen?!


