Ich verfalle in Schweigen und lenke ruhig den Blick hinaus aus dem Fenster zu der Landschaft, die trostlos vor dem Fenster vorbei zieht. Ingland hat einige schöne Stellen. Aber die weiten Felder und Wiesen sind eher unspektakulär und wenn nicht gerade die Sonne scheint, können sie einsam und leer wirken. Gleichzeitig besitzt diese Leere aber auch den großen Charme der Freiheit und wenn ich die Wälder sehe, die zeitweilig vorbei gleiten, erinnern sie mich immer wieder an den Wald hinter Dode Manor. Die Landschaft selbst besitzt keine Emotion. Sie spiegelt nur wieder, was ich fühle. Die einzigen Naturkräfte, die eine eigene Emotion besitzen, sind der Schnee und das Meer. Nichts hat mich je mehr bezaubert als diese beiden Elemente. Im Grunde sind beide nur Wasser. Aber sie bergen die Macht, das Leben der Menschen zu beeinflussen und es von einem Tag auf den Anderen zu verändern. Eine Macht, die auch ich besitze. Ich wünschte ich könnte frei über sie verfügen.
Irgendwann löse ich den Blick von der Landschaft und sehe den Jungen nachdenklich an. „Du hast von einem Mord gesprochen. Wie ist es gekommen, dass du ihn mitangesehen hast?“, frage ich ruhig und freundlich. Ich stelle nicht direkt die Frage, deren Antworten mich am dringendsten interessieren. So direkt möchte ich nicht sein. Ich will dem Jungen nicht das Gefühl geben, ausgehorcht zu werden. Denn auch wenn das seine Gegenleistung für seinen Schutz sein sollte, so ist mir bei dem Gedanken unwohl, den Jungen gerade heraus zu fragen. Vielleicht bin ich zu höflich erzogen. Vielleicht weiß ich zu gut, dass er noch ein Kind ist. Vielleicht sympathisiere ich schon zu sehr mit dem streng riechenden Haufen Lumpen. Es tut mir fast Leid danach zu fragen. Aber der Junge ist ein Straßenkind und kein verwöhntes Fräulein. Es wird ihm schon nicht all zu sehr wehtun sich zu erinnern, rede ich mir ein.

