Charaktere
Anisim Langdon » Rory Evening » Nikola Larkin
Datum & Ort
10.01.1922, London // Sheffield
Society of The verification mission Rudeness
„Du hättest härter zuschlagen sollen“, urteilt Asya während wir dem Jungen hinterher sehen. Sie hat den Kopf schief gelegt, als gäbe es tatsächlich etwas abzuschätzen. Dabei ist das nicht wirklich ein Mysterium. Der Junge weiß jetzt von wem sein weiteres Schicksal abhängt und das bin sicher nicht ich. Er wäre dumm, würde er das nicht gegen mich verwenden, von mir verspricht er sich schließlich nichts. Ich werde ihm auf andere Art zeigen müssen, dass es günstiger für ihn wäre sich mir gegenüber zu benehmen. Es wäre mir dennoch lieber gewesen, er wäre einfach weitsichtig genug, sich die Konsequenzen auszumalen, anstatt dass ich sie ihm würde einprügeln müssen. Dabei war ich einmal nicht viel anders gewesen. Rik und ich hatten auch nur respektiert, wer hart genug hatte zuschlagen können. Bis irgendwann keiner mehr geschafft hatte uns Grenzen aufzuzeigen, schon gar keiner der Hausdiener, als die wir nie hatten enden wollen. Es hat uns zum Militär getrieben, da waren wir nicht viel älter als der Junge gewesen. Nachsicht hatte nur Schwäche für uns dargestellt damals. „Ich weiß“, seufze ich daher. In diesem Moment winkt der Junge mir zu. Ich brauche tatsächlich einen Augenblick um zu begreifen, dass er mich zu sich und dem Wagen rufen will. Selbst für einen Straßenbengel ist das tollkühn. Für was hält er mich? Einen Gleichaltrigen mit dem er einen Coup drehen will? Ich schüttle bei mir den Kopf. „Eindeutig“, schließt Asya mit einem spöttischen Schnauben ihre Beobachtung ab. Ich spiele mit dem Gedanken mich demonstrativ wegzudrehen, den Jungen dazu zu zwingen zu mir zu kommen, wenn er mir etwas verständigen will. Aber ich habe keine Zeit für solche Erziehungsmethoden. Also nehme ich die Koffer und gehe zu dem Wagen hinüber. Ich grüße den Fahrer mit einem Nicken. Er betrachtet mich aufmerksam und ich mustere ihn ebenfalls. Jeder versucht den anderen mit wenigen Blicken einzuschätzen. Für ihn hängt davon ab ob diese Fahrt für ihn lohnenswert wird oder ihm nur Schwierigkeiten einbringt. Für mich hängt die ordentliche Ausführung meines Jobs auf dem Spiel – und in diesem speziellen Fall noch mehr als das. Schließlich steigt der Fahrer aus. Einen Feuersalamander auf der Schulter sitzend. Wir haben also einen Pakt geschlossen. Er wird fahren. Der Junge hat wenigstens das Ergebnis betreffend gute Arbeit geleistet. Die Art und Weise ist ein anderer Fall.
 
Der Fahrer hilft mir das Gepäck zu verstauen. „Warten Sie bitte einen Moment“, weise ich ihn an, er wird sich denken können, dass ich meinen Herrn benachrichtigen muss. Ich warte, bis er wieder in seinem Wagen verschwunden ist. Dann wende ich mich dem Jungen zu und packe ihn unvermittelt am Kragen des Jackets, das ich ihm selbst besorgt habe. Ich drehe die Faust, ziehe ihn aufwärts, bis er nur noch auf den Zehenspitzen Luft würde schnappen können. Kontinuierlich dränge ich ihn dabei rückwärts, so dass er kaum Gelegenheit hat, sich zu wehren, ohne gleichzeitig auch noch den letzten Halt unter den Füßen zu verlieren. Mit der freien Hand nehme ich ihm das Geld wieder ab. Dann verpasse ich ihm eine harte Ohrfeige und stoße ihn endgültig von mir. „Ich bin nicht dein Laufjunge. Wenn du mir das nächste Mal etwas mitzuteilen hast, kommst du zu mir, nicht andersherum.“ Ich sehe einen Moment auf ihn hinab, schweigend. Warte auf die Widerworte, die ihm endgültig Prügel eingebracht hätten, aber ich habe keine Zeit, das wirklich zu Ende zu bringen. „Warte am Wagen“, meine ich in neutralem Tonfall und wende mich ab.
 
Zügig mache ich mich auf dem Weg zurück zum Bahnsteig. „Zufrieden?“, zische ich Asya zu. Sie leckte mir die brennende Handfläche, ich ziehe sie weg. „Etwas“, antwortet sie stattdessen kichernd. Sie ist dermaßen schlecht darin zu Verbergen wie amüsiert sie davon ist, wie schwer mir etwas so selbstverständliches fällt, wie ein ungezogenes Kind zu schlagen. Viel zu vergnügt trabt mein Daemon neben mir her, während ich nach Anis Ausschau halte.
 
Ich entdecke ihn, zögere kurz, weiß nicht was er erwartet, wie ich ihn ansprechen soll und ende doch bei einem gewohntem: „Sir.“ Dabei senke ich kurz den Kopf, weise ihm dann den Weg. Und doch… kann ich nicht dabei bleiben. Aufmerksamkeit auf meine Arbeit zu lenken ist mir fremd. Ich genieße die Selbstständigkeit die darin liegt, die Vielzahl eigenständiger Entscheidungen von denen optimalerweise nie jemand erfährt. Allein das Allernotwendigste mit einem Herrn abzusprechen ist, wie ich es gewohnt bin und das macht diesen Teil noch unangenehmer für mich. Aber ich habe einen Wagen des Magisteriums bestellt gehabt und nun wieder weg geschickt. Unwahrscheinlich, dass Anis etwas bemerken würde. Was dagegen durchaus möglich ist, ist dass man ihn darauf ansprechen würde. Nicht sehr wahrscheinlich und ich könnte pokern. Aber es ist nicht ausgeschlossen und es wäre ungerecht Anis jede Chance zu nehmen in diesem Fall vorbereitet zu sein. Ich räuspere mich, werde mir zum ersten Mal der Möglichkeit bewusst, dass er meine Entscheidungen missbilligen könnte, aber damit muss ich nun leben. „Ich hatte einem Wagen des Magisteriums mitgeteilt, wann er… dich… abholen soll. Ich habe ihn nun weggeschickt, ich sagte ihm du hättest deine Pläne geändert. Ich dachte ein… unabhängiger Wagen wäre… besser. In diesem Fall.“ Ich kann Anis nicht zwingen mir darin zuzustimmen und es wäre unangemessen zu versuchen ihn zu überzeugen, ihm meine Beweggründe zu erklären. Es ist nun mal der Stand der Dinge und ich bin auf den Tadel gefasst.

[Bild: nico-s.png]


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The verification mission - von Anisim Langdon - 29.05.2020, 21:53
RE: The verification mission - von Rory Evening - 04.07.2020, 15:33
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RE: The verification mission - von Rory Evening - 15.11.2020, 09:48



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