<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
	<channel>
		<title><![CDATA[Society of Rudeness - Artis]]></title>
		<link>https://society.bitethedust.de/</link>
		<description><![CDATA[Society of Rudeness - https://society.bitethedust.de]]></description>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 08:21:59 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Don't stop breathing]]></title>
			<link>https://society.bitethedust.de/thread-25.html</link>
			<pubDate>Wed, 09 Mar 2022 11:37:32 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://society.bitethedust.de/member.php?action=profile&uid=7">Ardin James</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://society.bitethedust.de/thread-25.html</guid>
			<description><![CDATA[Es war zwei Tage her, dass ich zu Margory nach Hause gekommen war. Nachdem Rhode gegangen war und mich da alleine in der Gasse auf dieser Kiste hatte hocken lassen und ich nicht mehr gewusst hatte, was ich als nächstes tun sollte. Jackdaw hatte Cyneburg hinterher getrauert und ich konnte nichts tun als das Gefühl nachzuempfinden ohne sagen zu können weshalb. Was hätte Rhode auch sagen oder tun können? Er hatte mehr als genug getan. Und er hatte das Thema bleiben lassen. Immerhin. Ich hätte zufrieden sein sollen. Stattdessen ließ es eine unbestimmte Leere in mir zurück. Als wäre da etwas, das einfach heraus gerissen worden wäre.<br />
<br />
Irgendwann hatte ich meinen Hut und meinen Mantel genommen und war aufgestanden. Jackdaw hatte sich flatternd in den Himmel erhoben und ich hatte Harold noch einen letzten warnenden Blick zugeworfen, bevor ich die Gasse hinunter und in Richtung Zuhause gegangen war. Ich war froh gewesen, den Coster hinter mir lassen zu können. Dass er mich abstechen könnte, war tatsächlich meine größte Angst gewesen während ich dort gelegen und geschlafen hätte. Sonst hätte ich mich niemals darauf eingelassen, Jackdaws Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich übertrieb fand sie, auch heute noch. Aber als ich nach Hause gegangen war, kleinlaut und stumm bei Margory angekommen war, da war das noch nicht alles gewesen. Ich hatte ihren Wutanfall über mich ergehen lassen. Stumm, und ich weiß nicht ob es daran lag, dass sie merkte, dass etwas nicht stimmte. Noch so viel mehr nicht stimmte als sonst schon. Irgendwann hielt sie einfach inne und schwieg. Und sah mich an. Und ich schaute zurück. Als sie mich in den Arm nahm hatte ich das Gefühl mein Gesicht nicht mehr zu spüren, so sehr hatte ich mit einem Mal den Eindruck, sie vermisst zu haben.<br />
<br />
Ich tat Margory in der Nacht darauf den Gefallen bei ihr im Bett zu schlafen – etwas anderes blieb mir auch nicht übrig um den Hausfrieden zurück ins Gleichgewicht zu bringen, einmal abgesehen davon, dass sie mich für den Friedensbeweis auf ihre Weise entlohnte. Und ich sagte mir ich würde das beste daraus machen. Ich würde es schon irgendwie überstehen, nachdem ich nun seit Ewigkeiten zum ersten Mal wirklich einen Tag komplett hatte schlafen können, ohne in irgendjemandes Träume zu geraten. Lange lag ich noch wach um Margory beim Schlafen zu beobachten, aber irgendwann raffte es auch mich endgültig wieder dahin.<br />
<br />
Was dann kam, hatte ich allerdings nicht erwartet.<br />
<br />
Zwei Tage trug ich das jetzt schon mit mir herum. Mulligan hatte seinen Bericht bekommen, die Aufstände der Gewerkschaft an der New Graval Lane hatten sich mittlerweile gelegt – auch wenn es nur eine Frage der Zeit war bis sie von Neuem aufflammen würden, da war ich mir sicher – und Rhode und ich hatten wieder Zeit uns der Suche nach der Identität unseres angeschwemmten Hausdieners zu widmen. Jackdaw lachte insgeheim sicher darüber wie ich mit mir kämpfte, aber ich war längst wieder dazu übergegangen, sie aus meinen Gedanken auszusperren und dafür strafte sie mich mit der üblichen Ignoranz.<br />
<br />
Aber als ich an diesem Morgen von den Zellen zurück kehrte in unsere Abstellkammer und das zweifelhafte Glück hatte, Rhode dort anzutreffen, da beschloss ich, dass mich der Gedanke nicht länger losließ und ich ihm davon erzählen musste. Wir hatten seit er mich bei den Costers sitzen gelassen hatte nicht mehr über den Abend oder die Nacht davor gesprochen und bisher war ich froh darum gewesen. Mir war es unangenehm, das Thema von Neuem anzuschneiden. Und doch hatte mich etwas daran, was Rhode gesagt hatte, nicht losgelassen, so ungern ich es auch zugab. Es waren die Träume gewesen, sagte ich mir. Rhode alleine hätte ich noch überstehen können, aber die verdammten Träume. Was wenn…? Was wenn… Ich biss mir auf die Unterlippe als ich die Tür zu unserer Kammer hinter mir schloss. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Rhode…?“</span>, begann ich vorsichtig und beobachtete dabei wie Jackdaw gerade flatternd außen am Fensterbrett ankam. Dann erst richtete ich den Blick auf Otis. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Erinnerst du dich an den Coster von neulich? Harold?“</span> Ich wartete einen Moment, bevor ich mit weiteren Hinweisen für den Erinnerungsaufbau weiterhalf. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Der dem ich gedroht hab, ihn in seinen Träumen zu verfolgen wenn er mich im Schlaf ersticht?“</span> Unangenehmes Detail, an das ich mich da erinnerte. Ich musste jetzt doch schlucken, wippte kurz unruhig auf den Fußballen bevor ich mich wieder zur Ruhe besann. Besser ich fuhr schnell fort und brachte es hinter mich. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Scheint fast so als müsste er mir nicht erst ein Messer in den Rücken rammen.“</span>, erklärte ich knapp und kurz angebunden, um daraufhin die Lippen fest aufeinander zu pressen, die Hände in die Taschen zu schieben und doch mit zusammen gekniffenen Augen hinüber zum Fenster und zu Jackdaw zu sehen, die neugierig hinein linste. Ein wenig fragte ich mich ja doch, was Rhode jetzt daraus machen sollte, hatte ich ihn doch vor zwei Tagen noch darum gebeten, das Thema sein zu lassen, und wartete unangenehm berührt darauf, dass der Rhode in schallendes Gelächter verfiel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es war zwei Tage her, dass ich zu Margory nach Hause gekommen war. Nachdem Rhode gegangen war und mich da alleine in der Gasse auf dieser Kiste hatte hocken lassen und ich nicht mehr gewusst hatte, was ich als nächstes tun sollte. Jackdaw hatte Cyneburg hinterher getrauert und ich konnte nichts tun als das Gefühl nachzuempfinden ohne sagen zu können weshalb. Was hätte Rhode auch sagen oder tun können? Er hatte mehr als genug getan. Und er hatte das Thema bleiben lassen. Immerhin. Ich hätte zufrieden sein sollen. Stattdessen ließ es eine unbestimmte Leere in mir zurück. Als wäre da etwas, das einfach heraus gerissen worden wäre.<br />
<br />
Irgendwann hatte ich meinen Hut und meinen Mantel genommen und war aufgestanden. Jackdaw hatte sich flatternd in den Himmel erhoben und ich hatte Harold noch einen letzten warnenden Blick zugeworfen, bevor ich die Gasse hinunter und in Richtung Zuhause gegangen war. Ich war froh gewesen, den Coster hinter mir lassen zu können. Dass er mich abstechen könnte, war tatsächlich meine größte Angst gewesen während ich dort gelegen und geschlafen hätte. Sonst hätte ich mich niemals darauf eingelassen, Jackdaws Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich übertrieb fand sie, auch heute noch. Aber als ich nach Hause gegangen war, kleinlaut und stumm bei Margory angekommen war, da war das noch nicht alles gewesen. Ich hatte ihren Wutanfall über mich ergehen lassen. Stumm, und ich weiß nicht ob es daran lag, dass sie merkte, dass etwas nicht stimmte. Noch so viel mehr nicht stimmte als sonst schon. Irgendwann hielt sie einfach inne und schwieg. Und sah mich an. Und ich schaute zurück. Als sie mich in den Arm nahm hatte ich das Gefühl mein Gesicht nicht mehr zu spüren, so sehr hatte ich mit einem Mal den Eindruck, sie vermisst zu haben.<br />
<br />
Ich tat Margory in der Nacht darauf den Gefallen bei ihr im Bett zu schlafen – etwas anderes blieb mir auch nicht übrig um den Hausfrieden zurück ins Gleichgewicht zu bringen, einmal abgesehen davon, dass sie mich für den Friedensbeweis auf ihre Weise entlohnte. Und ich sagte mir ich würde das beste daraus machen. Ich würde es schon irgendwie überstehen, nachdem ich nun seit Ewigkeiten zum ersten Mal wirklich einen Tag komplett hatte schlafen können, ohne in irgendjemandes Träume zu geraten. Lange lag ich noch wach um Margory beim Schlafen zu beobachten, aber irgendwann raffte es auch mich endgültig wieder dahin.<br />
<br />
Was dann kam, hatte ich allerdings nicht erwartet.<br />
<br />
Zwei Tage trug ich das jetzt schon mit mir herum. Mulligan hatte seinen Bericht bekommen, die Aufstände der Gewerkschaft an der New Graval Lane hatten sich mittlerweile gelegt – auch wenn es nur eine Frage der Zeit war bis sie von Neuem aufflammen würden, da war ich mir sicher – und Rhode und ich hatten wieder Zeit uns der Suche nach der Identität unseres angeschwemmten Hausdieners zu widmen. Jackdaw lachte insgeheim sicher darüber wie ich mit mir kämpfte, aber ich war längst wieder dazu übergegangen, sie aus meinen Gedanken auszusperren und dafür strafte sie mich mit der üblichen Ignoranz.<br />
<br />
Aber als ich an diesem Morgen von den Zellen zurück kehrte in unsere Abstellkammer und das zweifelhafte Glück hatte, Rhode dort anzutreffen, da beschloss ich, dass mich der Gedanke nicht länger losließ und ich ihm davon erzählen musste. Wir hatten seit er mich bei den Costers sitzen gelassen hatte nicht mehr über den Abend oder die Nacht davor gesprochen und bisher war ich froh darum gewesen. Mir war es unangenehm, das Thema von Neuem anzuschneiden. Und doch hatte mich etwas daran, was Rhode gesagt hatte, nicht losgelassen, so ungern ich es auch zugab. Es waren die Träume gewesen, sagte ich mir. Rhode alleine hätte ich noch überstehen können, aber die verdammten Träume. Was wenn…? Was wenn… Ich biss mir auf die Unterlippe als ich die Tür zu unserer Kammer hinter mir schloss. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Rhode…?“</span>, begann ich vorsichtig und beobachtete dabei wie Jackdaw gerade flatternd außen am Fensterbrett ankam. Dann erst richtete ich den Blick auf Otis. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Erinnerst du dich an den Coster von neulich? Harold?“</span> Ich wartete einen Moment, bevor ich mit weiteren Hinweisen für den Erinnerungsaufbau weiterhalf. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Der dem ich gedroht hab, ihn in seinen Träumen zu verfolgen wenn er mich im Schlaf ersticht?“</span> Unangenehmes Detail, an das ich mich da erinnerte. Ich musste jetzt doch schlucken, wippte kurz unruhig auf den Fußballen bevor ich mich wieder zur Ruhe besann. Besser ich fuhr schnell fort und brachte es hinter mich. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Scheint fast so als müsste er mir nicht erst ein Messer in den Rücken rammen.“</span>, erklärte ich knapp und kurz angebunden, um daraufhin die Lippen fest aufeinander zu pressen, die Hände in die Taschen zu schieben und doch mit zusammen gekniffenen Augen hinüber zum Fenster und zu Jackdaw zu sehen, die neugierig hinein linste. Ein wenig fragte ich mich ja doch, was Rhode jetzt daraus machen sollte, hatte ich ihn doch vor zwei Tagen noch darum gebeten, das Thema sein zu lassen, und wartete unangenehm berührt darauf, dass der Rhode in schallendes Gelächter verfiel.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Cling and fail]]></title>
			<link>https://society.bitethedust.de/thread-20.html</link>
			<pubDate>Thu, 20 Jan 2022 20:57:27 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://society.bitethedust.de/member.php?action=profile&uid=7">Ardin James</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://society.bitethedust.de/thread-20.html</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><img src="https://i.ibb.co/rv7vfGp/ezgif-5-d8455b8cf6.jpg" style="width: 100px; border-radius: 15px;" /> <img src="https://i.ibb.co/r0tHGxM/ezgif-7-9e1c75ed06.gif" style="width: 100px; border-radius: 15px;" /> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ONfGEwxlZDw" target="_blank"><img src="https://i.ibb.co/phZzqv8/ezgif-7-e3340b3aac.png" style="width: 100px; border-radius: 15px;border-bottom: 2px solid #9E7E66;" /></a></div>
<div style="width: 300px; margin: 0px auto; font-style: italic;font-family: Crimson Text; text-align: center;">She could be your cay. Come to the fore. Ship Ahoy!<br />
<br />
- 1822 -<br />
</div>
<br />
Sie sagten, wer aus Vergnügen zur See geht, der fährt auch aus Spaß in die Hölle. Aber jetzt in diesem Moment fand ich, dass mir auf See zu sein sehr viel mehr Spaß gebracht hatte als mein derzeitiger Zustand. Und das musste etwas heißen. <br />
<br />
Als Margo Flint mich geheiratet hatte, da hatte sie gemeint, einen Seemann zum Mann zu nehmen. Und nicht nur einen einfachen Matrosen, sondern einen verdammten Surgeon’s Mate. Einen, den sie auf den East India Schiffen sofort nehmen würden. Das zumindest hatte ich ihr gesagt. Sie hatte keine Sekunde gezögert mich zu nehmen und ich weiß nicht, ob es das war, was mir so verdammte Sorgen bereitet hatte. Ich hätte gehen sollen. Ich wäre auf einem Seelenverkäufer der East India so viel besser aufgehoben gewesen als hier. In dieser Stadt. Diesem Teufelsloch. Ich fragte mich welche See rauer sein konnte als dieses Pflaster, das mir jeden Tag aufs Neue Angst machte. Ich sagte Margo nichts davon. Was hätte sie auch denken sollen. Sie, die hier aufgewachsen war, die schlimmere Ecken dieser Stadt gesehen hatte als nur ihre Straßen. Das war <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">mein</span> Problem. Und es würde schon irgendwann weg gehen. Ich würde mich daran gewöhnen. Sagte ich mir. Immerhin hatte <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ich</span> mich dazu entschieden, in der Stadt zu bleiben. Nicht mehr raus zu fahren. Bei Margo zu bleiben. Es war meine Entscheidung gewesen. Ich wollte nicht einer von diesen Feiglingen sein, die eine Frau nahmen und sie dann für den Rest ihres Lebens allein an Land zurück ließen. Langsam begann ich mich zu fragen, ob nicht <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ich</span> der Feigling war, dass ich an Land geblieben war.<br />
<br />
Es war besser hier auf der Jolle der Watermen, die mich vom Nordufer zurück ans Südufer der Themse brachte. Der Kahn war nicht überfüllt, nur eine Handvoll Leute an Bord. Seit die Dampfschiffe auf der Themse verkehrten und immer mal wieder ein paar der kleinen Ruderboote der Watermen bei Unfällen versenkt wurden – Kollateralschäden wie es schien – machten die meisten Menschen aus Angst einen Bogen um die Ruderboote, die früher den Haupttransport auf dem Fluss ausgemacht hatten. Ich hatte es von meinem Kahnführer gehört, der mich ans Nordufer bei Wapping gebracht hatte. Wasserratten redeten nicht all zu viel, aber das was er gesagt hatte, hatte Sinn ergeben. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, ich wäre lieber auf dem Boot der Watermen geblieben als in den Straßen dieser Stadt. Aber das hatte auch keinen Zweck. Die Dampfschiffe würden die Boote vertreiben hatte mir der Kahnführer erklärt. Es hatte keinen Sinn mehr, sich als Waterman zu melden. Die waren auf einem absteigenden Ast. Wie so viele in dieser vermaledeiten Stadt.<br />
<br />
Ich war in der High Street gewesen. Hatte mich bei der Thames River Police beworben, die sich um den Schutz der Docks kümmerte. Es war der perfekte Plan gewesen. Nahe beim Wasser, nahe am Hafen, wie früher in Plymouth. Harte Arbeitszeiten, aber das war nichts, das mir unbekannt war. Aber das entscheidende: jeden Tag etwas anderes. Schichten schieben, ja. Aber nicht mehr nach den Glasen, sondern nach der Uhrzeit und jede Schicht brachte andere Herausforderungen. Das hatten sie auch auf die Blätter gedruckt, die sie verteilt hatten. Sie suchten Männer. Bitterlich. Aber das hielt sie scheinbar nicht davon ab, die Leute nach der Größe auszusortieren.<br />
<br />
Ich biss die Kiefer fest zusammen bei der Erinnerung daran wie sie mich noch wenige Augenblicke zuvor aus der High Street geworfen hatten. Zu klein, hatten sie gesagt. ZU KLEIN. Der Navy war ich damals nicht zu klein gewesen und ich hatte schon mit zwölf Jahren Untergröße gehabt, wie sie es genannt hatten. Trotzdem hatten sie mich genommen. Die East India hätte mich genommen. Ich konnte anpacken. Ich arbeitete. Ohne zu murren. Ich wusste, wie man die Klappe hielt und seine Arbeit machte. Und trotzdem hatte keines dieser Argumente gezogen. Ich hatte sogar versucht den Rekrutierer zu bestechen – das letzte Mittel. Aber ich hatte nicht annähernd genügend Geld bei mir gehabt und auf Versprechungen hatte der Mann sich nicht eingelassen. Ich war schließlich wütend geworden – und hinaus geflogen. In hohem Bogen. <br />
<br />
Ich atmete tief durch. Jetzt war ich auf dem Weg zurück nach Rotherhithe. Wo Margory noch in der Schenke arbeitete. Nur noch diesen Monat. Bevor sie als Wäscherin beginnen würde. Wenn ich bis dahin keine Arbeit hatte, dann war ihr Gehalt aufgebraucht. Und wenn sie dann keine Arbeit fand, dann saßen wir auf der Straße. So hatte ich das nicht geplant. Dabei hatte ich mir jede Einzelheit so schön zurecht gelegt. Es hätte alles funktioniert, hätte dieser Holzkopf von einem Rekrutierer nur mit sich reden lassen.<br />
<br />
Es war nichts neues dass ich wegen meiner Größe Probleme bekommen hatte. Als sie mich damals in Plymouth mitgenommen hatten, hatten sie gemeint ich würde noch wachsen. Mein Vater hatte ihnen irgendetwas davon erzählt meine Mutter wäre eine Größe gewesen. Es war lange kein Thema mehr gewesen. Bis ich in ein Alter gekommen war, in dem ich hätte aufgeholt haben müssen, was mir zu dem Zeitpunkt noch an Größe gefehlt hatte. Im Zwischendeck hatten sie dann schnell zu spotten angefangen. Aber ich hatte ihnen gezeigt was es hieß über mich zu spotten. Immer und immer wieder. Ich hätte es ihnen auch jetzt gezeigt. Aber die River Police verstand da keinen Spaß.<br />
<br />
Das schlimmste daran: ich würde es Margory sagen müssen. Dass ich mit leeren Händen nach Hause kam. Dass es mit der Polizei nichts werden würde. Dass ich bei den Docks anfangen müssen würde. Und ich kannte die Docks mittlerweile. Ich würde nicht der einzige sein, der allmorgendlich an den Toren stehen und um Arbeit betteln würde. Ich hasste den Gedanken jetzt schon. <br />
<br />
Als wir am Commercial Dock Pier anlegten, ging mein Weg vorbei an den Dockbauten in Richtung Rotherhithe Central. Aber ich hätte irgendwo links abbiegen müssen, um nach Hause zu kommen. Ich ging stur an der Abzweigung vorbei gerade aus. Der nächste Pub, der in meine Sichtweite kam, war meiner. Ich trat ein ohne einen einzigen klaren Gedanken in meinem Schädel. Und ich begann damit sämtliches Geld, das ich bei mir trug zu versaufen. Es war das Geld, das Margory mir mitgegeben hatte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Nimm die Dampfschiffe, tu mir den Gefallen.“</span>, hatte sie gesagt. Ich hatte es ihr versichert und beschlossen, die Watermen zu besuchen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Und den Rest für die Uniform.“</span> Eine Uniform würde ich nicht mehr brauchen. Mein altes Matrosenhemd von der Severn und der Mantel, den ich dürftig darüber trug, würden wohl erst einmal ausreichen. Ich wusste, ich hätte ihr das Geld wieder mitbringen müssen. Ich wusste es ganz genau, während ich es ausgab.<br />
<br />
Als die Nachtwache vorbei ging, wankte ich irgendwie nach draußen. Es fühlte sich ein wenig an wie damals als die Severn in London vor Anker gegangen war und wir das erste Mal seit langem wieder aufs Festland gespült worden waren. Irgendwo beim Greenland Dock in der Nähe des Brunswick Quays verbrachte ich die Nacht. Eine Bande weckte mich zwischendurch kurz auf, aber ich trug schon nichts mehr bei mir das sie von mir hätten haben wollen.<br />
<br />
Es musste irgendwann am Morgen sein, die Sonne war noch nicht aufgegangen, die Dämmerung waberte noch irgendwo zwischen den letzten glühenden Gaslaternen und dem dichten Rauchnebel, der wie eine Glocke über der Stadt ging, hin und her. Ich würgte die Reste meines eher flüssigen Abendessens der letzten Nacht hoch, dann suchte ich langsam meine Kräfte zusammen und suchte die nächste Wasserpumpe. Ich hatte begonnen die labyrinthartigen Straßen und Plätze von Rotherhithe zu verstehen, sie mir wie eine geistige Karte einzuprägen. Es begann sich bekannt anzufühlen, auch wenn ich hier erst seit wenigen Wochen mein Dasein fristete. Ich spülte meinen Mund aus, trank so viel ich vertrug, wusch mir das Gesicht ab. Dann beschloss ich, dass es an der Zeit war, dem unausweichlichen ins Gesicht zu sehen. Rückkehr zu Margory, wie der geschlagene Hund, wie der ich mich fühlte.<br />
<br />
Ich versuchte nicht darüber nachzudenken. Während es um mich heller wurde und ich meinen Weg zurück zum Brunswick Quay suchte, ging ich in Gedanken die Dinge durch, die ich ihr sagen würde. Ich würde mich zusammen reißen, sagte ich mir. Ich würde ehrlich sein, schwor ich mir. Und doch klang jedes Wort, das mir einfiel, in meinem Kopf lächerlich. Ich hasste es alleine schon, erklären zu müssen, weshalb ich nicht direkt nach Hause gekommen war. Nicht nur hatte ich den verdammten Job nicht bekommen, von dem ich Margory gesagt hatte, es wäre eine Leichtigkeit ihn zu bekommen, sondern ich hatte auch noch das Geld regelrecht in die Themse gekippt das sie mir für gänzlich andere Zwecke mitgegeben hatte. Ausgerechnet ich. Wäre das einem anderen passiert, ich hätte den Mund nicht voll genug bekommen können an Hohn und Spott. Verdammte Scheiße.<br />
<br />
So tief war ich in diese Gedanken vergraben, dass mich nicht einmal die Gruppe Dockarbeiter kümmerte, die sich bereits im Morgengrauen am Tor zum Greenland Dock versammelt hatte, um auf Arbeit zu warten. Wie sie alle dort standen und froren und hofften. Bald würde ich zu ihnen gehören, besser ich sah nicht genau hin. Und so stieß und rempelte ich mir meinen Weg erbarmungslos quer durch die Gruppe. Bis ich gegen einen Mann wie eine Steinsäule stieß, der das Vergnügen besaß, mitten in meinem Weg zu stehen und nicht rechtzeitig Platz zu machen. Ich taumelte zurück. Mein finsterer Blick, unwirsch in die Realität zurück geholt, ging hoch um das Gesicht dieses Baumes von einem Mann zu entdecken und musste doch immer weiter hochsehen. Ein großer Kerl mit dunklem Haar, großer Stirn und Nase. Grobschlächtig sah er aus und das war alles was ich in diesem Moment brauchte. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Was wirfst du dich in meinen verdammten Weg, Taugenichts?! Häh?!“</span>, schnauzte ich ihn in meinem breiten heimatlichen Devon Akzent an, ohne auch nur einen Moment lang darauf zu achten, mich - wie ich mich sonst bemühte - wie ein braver Londoner anzuhören. Ich stieß den großen Kerl grob mit beiden Händen von mir, nur darauf wartend, dass er sich wehrte. Zog die Nase kraus und zeigte ihm meine gebleckten Zähne als ich mit ihm sprach. Diesem Nichtsnutz von einem Dockarbeiter. Den hätten sie sofort bei der Police Station genommen. Ich sah es richtig vor mir mit welcher Kusshand sie ihn begrüßt hätten. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Hast du dich verlaufen, Kleiner, ja?!“</span>, zischte ich ohne Sinn und Verstand, bevor ich meine Rechte zur Faust ballte und das erste Mal in die Nieren des Größeren schlug.<br />
<br />
<br />
___________________________<br />
<span style="font-size: x-small;" class="mycode_size"><br />
<a href="https://youtu.be/fdunFeukq6M" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Devon Akzent [ Link ]</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><img src="https://i.ibb.co/rv7vfGp/ezgif-5-d8455b8cf6.jpg" style="width: 100px; border-radius: 15px;" /> <img src="https://i.ibb.co/r0tHGxM/ezgif-7-9e1c75ed06.gif" style="width: 100px; border-radius: 15px;" /> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ONfGEwxlZDw" target="_blank"><img src="https://i.ibb.co/phZzqv8/ezgif-7-e3340b3aac.png" style="width: 100px; border-radius: 15px;border-bottom: 2px solid #9E7E66;" /></a></div>
<div style="width: 300px; margin: 0px auto; font-style: italic;font-family: Crimson Text; text-align: center;">She could be your cay. Come to the fore. Ship Ahoy!<br />
<br />
- 1822 -<br />
</div>
<br />
Sie sagten, wer aus Vergnügen zur See geht, der fährt auch aus Spaß in die Hölle. Aber jetzt in diesem Moment fand ich, dass mir auf See zu sein sehr viel mehr Spaß gebracht hatte als mein derzeitiger Zustand. Und das musste etwas heißen. <br />
<br />
Als Margo Flint mich geheiratet hatte, da hatte sie gemeint, einen Seemann zum Mann zu nehmen. Und nicht nur einen einfachen Matrosen, sondern einen verdammten Surgeon’s Mate. Einen, den sie auf den East India Schiffen sofort nehmen würden. Das zumindest hatte ich ihr gesagt. Sie hatte keine Sekunde gezögert mich zu nehmen und ich weiß nicht, ob es das war, was mir so verdammte Sorgen bereitet hatte. Ich hätte gehen sollen. Ich wäre auf einem Seelenverkäufer der East India so viel besser aufgehoben gewesen als hier. In dieser Stadt. Diesem Teufelsloch. Ich fragte mich welche See rauer sein konnte als dieses Pflaster, das mir jeden Tag aufs Neue Angst machte. Ich sagte Margo nichts davon. Was hätte sie auch denken sollen. Sie, die hier aufgewachsen war, die schlimmere Ecken dieser Stadt gesehen hatte als nur ihre Straßen. Das war <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">mein</span> Problem. Und es würde schon irgendwann weg gehen. Ich würde mich daran gewöhnen. Sagte ich mir. Immerhin hatte <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ich</span> mich dazu entschieden, in der Stadt zu bleiben. Nicht mehr raus zu fahren. Bei Margo zu bleiben. Es war meine Entscheidung gewesen. Ich wollte nicht einer von diesen Feiglingen sein, die eine Frau nahmen und sie dann für den Rest ihres Lebens allein an Land zurück ließen. Langsam begann ich mich zu fragen, ob nicht <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ich</span> der Feigling war, dass ich an Land geblieben war.<br />
<br />
Es war besser hier auf der Jolle der Watermen, die mich vom Nordufer zurück ans Südufer der Themse brachte. Der Kahn war nicht überfüllt, nur eine Handvoll Leute an Bord. Seit die Dampfschiffe auf der Themse verkehrten und immer mal wieder ein paar der kleinen Ruderboote der Watermen bei Unfällen versenkt wurden – Kollateralschäden wie es schien – machten die meisten Menschen aus Angst einen Bogen um die Ruderboote, die früher den Haupttransport auf dem Fluss ausgemacht hatten. Ich hatte es von meinem Kahnführer gehört, der mich ans Nordufer bei Wapping gebracht hatte. Wasserratten redeten nicht all zu viel, aber das was er gesagt hatte, hatte Sinn ergeben. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, ich wäre lieber auf dem Boot der Watermen geblieben als in den Straßen dieser Stadt. Aber das hatte auch keinen Zweck. Die Dampfschiffe würden die Boote vertreiben hatte mir der Kahnführer erklärt. Es hatte keinen Sinn mehr, sich als Waterman zu melden. Die waren auf einem absteigenden Ast. Wie so viele in dieser vermaledeiten Stadt.<br />
<br />
Ich war in der High Street gewesen. Hatte mich bei der Thames River Police beworben, die sich um den Schutz der Docks kümmerte. Es war der perfekte Plan gewesen. Nahe beim Wasser, nahe am Hafen, wie früher in Plymouth. Harte Arbeitszeiten, aber das war nichts, das mir unbekannt war. Aber das entscheidende: jeden Tag etwas anderes. Schichten schieben, ja. Aber nicht mehr nach den Glasen, sondern nach der Uhrzeit und jede Schicht brachte andere Herausforderungen. Das hatten sie auch auf die Blätter gedruckt, die sie verteilt hatten. Sie suchten Männer. Bitterlich. Aber das hielt sie scheinbar nicht davon ab, die Leute nach der Größe auszusortieren.<br />
<br />
Ich biss die Kiefer fest zusammen bei der Erinnerung daran wie sie mich noch wenige Augenblicke zuvor aus der High Street geworfen hatten. Zu klein, hatten sie gesagt. ZU KLEIN. Der Navy war ich damals nicht zu klein gewesen und ich hatte schon mit zwölf Jahren Untergröße gehabt, wie sie es genannt hatten. Trotzdem hatten sie mich genommen. Die East India hätte mich genommen. Ich konnte anpacken. Ich arbeitete. Ohne zu murren. Ich wusste, wie man die Klappe hielt und seine Arbeit machte. Und trotzdem hatte keines dieser Argumente gezogen. Ich hatte sogar versucht den Rekrutierer zu bestechen – das letzte Mittel. Aber ich hatte nicht annähernd genügend Geld bei mir gehabt und auf Versprechungen hatte der Mann sich nicht eingelassen. Ich war schließlich wütend geworden – und hinaus geflogen. In hohem Bogen. <br />
<br />
Ich atmete tief durch. Jetzt war ich auf dem Weg zurück nach Rotherhithe. Wo Margory noch in der Schenke arbeitete. Nur noch diesen Monat. Bevor sie als Wäscherin beginnen würde. Wenn ich bis dahin keine Arbeit hatte, dann war ihr Gehalt aufgebraucht. Und wenn sie dann keine Arbeit fand, dann saßen wir auf der Straße. So hatte ich das nicht geplant. Dabei hatte ich mir jede Einzelheit so schön zurecht gelegt. Es hätte alles funktioniert, hätte dieser Holzkopf von einem Rekrutierer nur mit sich reden lassen.<br />
<br />
Es war nichts neues dass ich wegen meiner Größe Probleme bekommen hatte. Als sie mich damals in Plymouth mitgenommen hatten, hatten sie gemeint ich würde noch wachsen. Mein Vater hatte ihnen irgendetwas davon erzählt meine Mutter wäre eine Größe gewesen. Es war lange kein Thema mehr gewesen. Bis ich in ein Alter gekommen war, in dem ich hätte aufgeholt haben müssen, was mir zu dem Zeitpunkt noch an Größe gefehlt hatte. Im Zwischendeck hatten sie dann schnell zu spotten angefangen. Aber ich hatte ihnen gezeigt was es hieß über mich zu spotten. Immer und immer wieder. Ich hätte es ihnen auch jetzt gezeigt. Aber die River Police verstand da keinen Spaß.<br />
<br />
Das schlimmste daran: ich würde es Margory sagen müssen. Dass ich mit leeren Händen nach Hause kam. Dass es mit der Polizei nichts werden würde. Dass ich bei den Docks anfangen müssen würde. Und ich kannte die Docks mittlerweile. Ich würde nicht der einzige sein, der allmorgendlich an den Toren stehen und um Arbeit betteln würde. Ich hasste den Gedanken jetzt schon. <br />
<br />
Als wir am Commercial Dock Pier anlegten, ging mein Weg vorbei an den Dockbauten in Richtung Rotherhithe Central. Aber ich hätte irgendwo links abbiegen müssen, um nach Hause zu kommen. Ich ging stur an der Abzweigung vorbei gerade aus. Der nächste Pub, der in meine Sichtweite kam, war meiner. Ich trat ein ohne einen einzigen klaren Gedanken in meinem Schädel. Und ich begann damit sämtliches Geld, das ich bei mir trug zu versaufen. Es war das Geld, das Margory mir mitgegeben hatte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Nimm die Dampfschiffe, tu mir den Gefallen.“</span>, hatte sie gesagt. Ich hatte es ihr versichert und beschlossen, die Watermen zu besuchen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Und den Rest für die Uniform.“</span> Eine Uniform würde ich nicht mehr brauchen. Mein altes Matrosenhemd von der Severn und der Mantel, den ich dürftig darüber trug, würden wohl erst einmal ausreichen. Ich wusste, ich hätte ihr das Geld wieder mitbringen müssen. Ich wusste es ganz genau, während ich es ausgab.<br />
<br />
Als die Nachtwache vorbei ging, wankte ich irgendwie nach draußen. Es fühlte sich ein wenig an wie damals als die Severn in London vor Anker gegangen war und wir das erste Mal seit langem wieder aufs Festland gespült worden waren. Irgendwo beim Greenland Dock in der Nähe des Brunswick Quays verbrachte ich die Nacht. Eine Bande weckte mich zwischendurch kurz auf, aber ich trug schon nichts mehr bei mir das sie von mir hätten haben wollen.<br />
<br />
Es musste irgendwann am Morgen sein, die Sonne war noch nicht aufgegangen, die Dämmerung waberte noch irgendwo zwischen den letzten glühenden Gaslaternen und dem dichten Rauchnebel, der wie eine Glocke über der Stadt ging, hin und her. Ich würgte die Reste meines eher flüssigen Abendessens der letzten Nacht hoch, dann suchte ich langsam meine Kräfte zusammen und suchte die nächste Wasserpumpe. Ich hatte begonnen die labyrinthartigen Straßen und Plätze von Rotherhithe zu verstehen, sie mir wie eine geistige Karte einzuprägen. Es begann sich bekannt anzufühlen, auch wenn ich hier erst seit wenigen Wochen mein Dasein fristete. Ich spülte meinen Mund aus, trank so viel ich vertrug, wusch mir das Gesicht ab. Dann beschloss ich, dass es an der Zeit war, dem unausweichlichen ins Gesicht zu sehen. Rückkehr zu Margory, wie der geschlagene Hund, wie der ich mich fühlte.<br />
<br />
Ich versuchte nicht darüber nachzudenken. Während es um mich heller wurde und ich meinen Weg zurück zum Brunswick Quay suchte, ging ich in Gedanken die Dinge durch, die ich ihr sagen würde. Ich würde mich zusammen reißen, sagte ich mir. Ich würde ehrlich sein, schwor ich mir. Und doch klang jedes Wort, das mir einfiel, in meinem Kopf lächerlich. Ich hasste es alleine schon, erklären zu müssen, weshalb ich nicht direkt nach Hause gekommen war. Nicht nur hatte ich den verdammten Job nicht bekommen, von dem ich Margory gesagt hatte, es wäre eine Leichtigkeit ihn zu bekommen, sondern ich hatte auch noch das Geld regelrecht in die Themse gekippt das sie mir für gänzlich andere Zwecke mitgegeben hatte. Ausgerechnet ich. Wäre das einem anderen passiert, ich hätte den Mund nicht voll genug bekommen können an Hohn und Spott. Verdammte Scheiße.<br />
<br />
So tief war ich in diese Gedanken vergraben, dass mich nicht einmal die Gruppe Dockarbeiter kümmerte, die sich bereits im Morgengrauen am Tor zum Greenland Dock versammelt hatte, um auf Arbeit zu warten. Wie sie alle dort standen und froren und hofften. Bald würde ich zu ihnen gehören, besser ich sah nicht genau hin. Und so stieß und rempelte ich mir meinen Weg erbarmungslos quer durch die Gruppe. Bis ich gegen einen Mann wie eine Steinsäule stieß, der das Vergnügen besaß, mitten in meinem Weg zu stehen und nicht rechtzeitig Platz zu machen. Ich taumelte zurück. Mein finsterer Blick, unwirsch in die Realität zurück geholt, ging hoch um das Gesicht dieses Baumes von einem Mann zu entdecken und musste doch immer weiter hochsehen. Ein großer Kerl mit dunklem Haar, großer Stirn und Nase. Grobschlächtig sah er aus und das war alles was ich in diesem Moment brauchte. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Was wirfst du dich in meinen verdammten Weg, Taugenichts?! Häh?!“</span>, schnauzte ich ihn in meinem breiten heimatlichen Devon Akzent an, ohne auch nur einen Moment lang darauf zu achten, mich - wie ich mich sonst bemühte - wie ein braver Londoner anzuhören. Ich stieß den großen Kerl grob mit beiden Händen von mir, nur darauf wartend, dass er sich wehrte. Zog die Nase kraus und zeigte ihm meine gebleckten Zähne als ich mit ihm sprach. Diesem Nichtsnutz von einem Dockarbeiter. Den hätten sie sofort bei der Police Station genommen. Ich sah es richtig vor mir mit welcher Kusshand sie ihn begrüßt hätten. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Hast du dich verlaufen, Kleiner, ja?!“</span>, zischte ich ohne Sinn und Verstand, bevor ich meine Rechte zur Faust ballte und das erste Mal in die Nieren des Größeren schlug.<br />
<br />
<br />
___________________________<br />
<span style="font-size: x-small;" class="mycode_size"><br />
<a href="https://youtu.be/fdunFeukq6M" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Devon Akzent [ Link ]</a></span>]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>