Der Matrose spuckte aus und erklärte, dass er es sei, der kein Schiff mehr wollte, nicht andersherum. Ich zog die Brauen hoch, als er zu mir aufsah, ein spöttisches ‚Ja, bestimmt‘ auf den Zügen. Dabei, wusst ich’s denn? Ich hatte den geregelten Verdienst der Armee erst vor so kurzer Zeit ausgeschlagen, weil mich keine zehn Pferde in die nächste Kolonie getrieben hätten – warum sollt’s dem Matrosen anders ergehen? Vielleicht war’s ihm ja auch genug gewesen. Aber nein, falsch lag ich. Ein Mädchen hat der Matrose gefunden. Wie er glücklich zu mir aufgrinste wohl ein Gutes. Ich sah zu ihm hinab. „Ich dacht‘ bisher, eu’ereins treibt’s immer zurück auf See – wie die Ratten das Schiff verlassen, so die Matrosen das Heim“, gab ich spottend von mir und bemerkte erst zu spät, dass es fast Anerkennung beinhaltete. Immerhin hatte der Matrose sich erstaunlicherweise dafür entschieden nicht die erste Gelegenheit zu nutzen seiner Angetrauten zu entfliehen. Ich sah schnell wieder geradeaus, gerade darauf und daran mir etwas Besseres zu überlegen, als der Andere noch etwas ergänzte.
„Ich wollte zur River Thames Police. Gestern. Wegen der Arbeit.“ Ich zog die Brauen zusammen über diese Information. Zur Thames Police. So einer war der also. Dabei war’s wohl nicht so abwegig. Ein Janner, den es zur Navy verschlägt und von der Navy zur Polizei, nur von einem Staatsdienst in den nächsten. Keine Seeschlachten mehr, den Schmugglern nicht mehr auf See das Handwerk legen sondern an Land. Gab viele Matrosen, die sich der Polizei verschrieben. Gab auch viele Soldaten. Ich schüttelte den Gedanken unwirsch ab. „Die haben mich aber nicht genommen.“ Jetzt sah ich doch wieder zu dem Kurzen hinab, ein wenig ehrlich verwundert unter allem Spott. „Suchen die nicht so dringend Leute?“ Jedenfalls verkündeten sie das auf jedem Flugblatt und jedem Plakat, oder? Aber die Sache verriet mir noch etwas anderes. Wenn der Matrose gestern bei der Thames Police war, wenn sie ihn dort nicht genommen hatten… Die Nacht hatte er mit Saufen verbracht, so viel war gewiss… Aber wenn er tags davor eine Ablehnung erhalten hatte, dann war das Saufen vielleicht weniger Charakterzug, als ich gehofft hatte. Dann hing’s vielleicht mit der Arbeit zusammen, die er nicht bekommen hatte.
Ich riss mich los von dem Gedanken, weiter vor uns verklang allmählich der Hufschlag der Gäule, welche der Gefängniskutsche vorgespannt waren. Eine Straße schloss in die nächste auf, aber es war nicht weiter schwer in etwa weiter auf einer geraden Linie voran zu kommen. Seitlich von uns passierten wir jetzt ein herrschaftlich anmutendes Gebäude aus dunklem Stein, das von hellen Mustern durchzogen war und irgendwie an ein vorzeitliches Schloss oder ein Kloster erinnerte. Ich wandte den Blick wieder ab. Bitte, Herr im Himmel, lass mich nach all diesen Absonderlichkeiten heute nicht auch noch aus der Zeit gefallen sein. Bitte nicht ausgerechnet mit einem Matrosen auf dem Fuß.
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