Wenn ich schon hier wäre. Tja, das war gewiss nicht meine Absicht gewesen, aber damit konnte ich jetzt auch nicht prahlen. Ich würde Ardin mit Sicherheit nicht erzählen, dass ich nur hier war, weil mein eigener Sohn mich einem Laufburschen gleich losgeschickt hatte. Mein eigener Junge! Das war schon ein merkwürdiges Alter in das er da gekommen war. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich mit einen Blick auf Ardin, ob unsere Väter nicht alles richtig gemacht hatten, indem sie Ardin verkauft beziehungsweise, in meinem Fall, gestorben waren, bevor wir dieses Alter hatten erreichen können. In unseren rebellischen Jahren waren wir das Problem von Navy und Armee gewesen. Das war etwas anderes, das wusste ich, aber ich wusste nicht in wie fern es anders war. Ich wusste nicht, wie es war in diesen Jahren einen Vater zu haben, gegen den man rebellieren konnte. Und was Ben betraf, so war das für mich ohnehin eine neue Erfahrung. Ja, er hatte seine wilden Phasen gehabt, aber er war nie ausgesprochen aufsässig gewesen. Ardin war nie müde geworden mir unter die Nase zu reiben, dass mein Sohn sicher nicht nach mir schlug und es war gut so. Man kam weiter im Leben, wenn man nicht so war, wie ich, das konnte ich schon allein an Ben sehen. Das hatte ich immer wieder an Judith sehen können. Dass Ben jetzt begann aufzubegehren, meinte alles besser zu wissen und die Welt so viel klüger zu durchschauen als ich es tat, das war nichts auf das ich vorbereitet gewesen wäre. Ich schüttelte den Gedanken ab. Nein, dem James würde ich davon gewiss nichts sagen. Auch wenn ich zur letzten Verteidigung hatte, dass sein eigener Junge auch nicht minder gegen ihn anging. Aber besser ich ließ es so aussehen, als wäre das alles meine Idee gewesen. Als wäre ich ganz und vollkommen aus freien Stücken hinter James hergerannt.
Weil… natürlich, wer würde schon in der warmen Stube bei einem guten Essen bleiben, wenn er…
Ich stockte, sobald ich begriff, was Ardin meinte, das ich Nützliches tun könnte. Zuckte zurück vor seiner Faust, die nach mir griff und mich trotz allem zu fassen bekam. Ich wollte mich daraus hervor winden, aber es gelang mir nicht. Nicht bevor Ardin mich in den erst besten Pub geschleift hatte. Die übelkeitserregenden Gerüche von stickiger Luft, zu vielen Leibern, vergorenem Korn und zerkochtem Essen stiegen mir in die Nase. Herr in der Hölle, bitte nicht. Es war nicht so, dass ich Pubs grundsätzlich meiden würde, im Gegenteil, aber zusammen mit dem James und während man sich eigentlich auf Margorys liebevoll zubereitetes Abendessen gefreut hatte, da war ein Pubbesuch wie statt im städtischen Badehaus in der Themse zu landen. „James!!“, protestierte ich lautstark, „Ich will was anständiges essen!“ Noch halb zu Ardin gewandt, wäre ich um ein Haar mit einem wahren Koloss von einem Weib zusammengestoßen. Die Frau des Wirts, welche die wenig schmeichelhaften Maße eines Brauereigauls hatte, stemmte jetzt die massigen Fäuste in die Hüften und hatte die Brauen so weit hochgezogen, dass sie unter dem Tuch mit dem sie sich das Haar zurückgebunden hatte, verschwanden. Ganz offenbar hatte sie meine Worte mitbekommen. „Was woll’n Se denn anständiges essen, die Herr’n?“, dröhnte sie mit der Stimme einer Marktschreierin, die mich auch schon nicht mehr überraschte. Ich linste an ihr vorbei durch den Pub, der noch so schäbig dreinsah, wie ich ihn vom letzten Besuch in Erinnerung hatte. „Was, was sich verdauen lässt, wär schon eine bemerkenswerte Steigerung“, murrte ich – allerdings mehr an Ardin gewandt, denn ebenso wenig würde mich überraschen wenn die Dame des Pubs mich mit nur einem Schlag zu Boden hauen würde.
![[Bild: otis-sig.png]](https://i.ibb.co/Hg8Psjb/otis-sig.png)

