Normalerweise rührte ich das Feuerwasser der Iren nicht an. Jeder wusste, dass es nur dazu gut war, sich das Hirn aus dem Schädel zu pusten, aber ich hatte heute genau das vor. Und ja, ich wusste, dass Rhode nicht trank. Nicht mehr. Und das war gut so. Die waren ja auch für mich. Er sollte nur essen und meinetwegen die Klappe halten. Mehr wollte ich gar nicht von ihm. Aber besser er badete noch ein bisschen in seinem eigenen Angstschweiß. Ich sah mich im Pub um, fand eine Ecke, die mir gefiel, schön ruhig und abseits an einer der Wände, und zog Rhode in die Richtung. Auf dem Weg ließ ich ihn endlich los – jetzt würde er mir schon nicht mehr davon laufen. Ich war sicher, dass Cyneburg dafür sorgen würde, dass er nirgendwohin ging als in diese Ecke. Ihre große Gestalt sorgte in dem kleinen Laden längst für Aufsehen.
Die Ecke, in die ich wollte war besetzt. Ich blieb vor dem Tisch stehen, sah auf die angetrunkenen Gesichter finster hinunter. „Abmarsch“, befahl ich kühl. Ich erntete Lachen. Ein Griff an den Kragen des Mannes, der mir am nächsten saß. Sein Gesicht war rot und das dunkle Haar fiel ihm fettig und verschwitzt ins Gesicht. Ich riss ihn aus seiner sitzenden Position vom Stuhl und drückte seinen Schädel brutal auf Cyneburgs Kopfhöhe. Die bleckte wie abgesprochen ihre großen Zähne. Der vernünftigste Teil von Rhode war diese Hündin, wirklich. Weiterhin ungerührt beobachtete ich wie der Schrecken in den Mann glitt und er sich, den Blick panisch auf Cyneburgs Zähne gerichtet, versuchte aus meinem Griff zu winden, nur um irgendwie fort von diesen Zähnen zu kommen. Sein Stuhl kippte dabei um, aber ich ließ ihn erst im letzten Moment los. Hastig machte er, dass er davon kam. Mein Blick richtete sich kühl auf die übrig gebliebenen am Tisch. „Noch jemand?“ Einer schüttelte den Kopf. „Abmarsch.“, wiederholte ich. Und siehe da, unser Tisch war frei.
Ich streckte den Arm aus, um Rhode mit kühlem Blick den Vortritt zu lassen und es Cyneburg zu ermöglichen, es sich unter dem Tisch gemütlich zu machen. Mochte sein, dass wir Ärger mit dem Gastwirt bekamen. Aber es hätte nichts gegeben, das mir in diesem Moment gleichgültiger gewesen wäre. Wenn der Mann uns nicht bediente, dann machte ich ihn heute noch einen Kopf kürzer. Damit hatte ich kein Problem. Es wäre mir eine Freude gewesen.


