Die Wirtshausfrau kam zurück, ein Glas für mich, das sie scheppernd auf den Tisch knallte, dann die Flasche, die nicht viel liebevoller abgestellt wurde und ohne ein einziges Wort war sie wieder verschwunden. Ich betrachtete die Flasche misstrauisch, begutachtete das Siegel am Flaschenhals, aber es schien alles in Ordnung zu sein. Also öffnete ich die Flasche, goss mir ein großzügiges Glas ein und schob die Flasche zu Ardin hinüber. Mit einer Hand griff ich nach meinem Glas, hielt es einen Moment vor mir in der Luft, betrachtete es nachdenklich, folgte mit den Augen den verwaschen dreckigen Schlieren darauf. „Nicht wie in diesem Drecksloch“, murmelte ich dann kaum hörbar. Wo auch immer es mit dieser Stadt hinging, wenn du nicht einmal mehr das Wasser trinken konntest. Ich wusste, dass James einigen Stolz darauf verbrauchte, dass die Pumpe vor seinem Haus, das Wasser von außerhalb von London bezog. Und ich war dankbar darum, denn dasselbe Wasser bekam mein Junge zu trinken. Aber was war das schon für eine Zukunft. Irgendwann würde man das Wasser auch nicht mehr von weit genug herkarren können, irgendwann würde es auch am Arsch der Welt – hier bitte Plymouth einsetzen – keine saubere Quelle mehr geben... Bis dahin sollte ich noch ein paar Flaschen von diesem Gin getrunken haben. Noch als ich das Glas zu den Lippen führte, konnte ich die fruchtige Bitterkeit der Flüssigkeit wahrnehmen, irgendwie fast wie Zitronen, das hätte kein Londoner Gin gekonnt. Ich spürte meinen Körper auf etwas reagieren, das er einst in rauen Mengen gewohnt war und inzwischen nur noch in enggesteckten Grenzen. Grenzen, konnte ich Cyneburg wie ein Echo durch meine Gedanken geistern hören. Grenzen, erwiderte ich ihr verbissen, wie als Trinkspruch und leerte das halbe Glas darauf in nur einem Zug ohne viel mehr dabei zu spüren als ein Gefühl der alten Vertrautheit. Sich das exzessive Saufen abzugewöhnen war in gewisser Weise wie sich das Atmen abzugewöhnen. Am Anfang meinst du es ist unmöglich, später lernst du diesem ständig an dir nagenden Drang immer länger zu widerstehen, aber kaum einer hält es auf ewig aus. Je näher du der Aussicht nach Luft kommst, desto verzweifelter reagiert dein Körper auf die Entbehrung und der erste Atemzug bleibt immer der Beste, egal wie lange du auch darauf verzichtet hast. Danach kann es nur noch bergab gehen. So ist es jedes Mal.
Und wenn du es wider Erwarten doch auf ewig aushältst: Tja, vielleicht solltest du dann einmal überprüfen, ob du überhaupt noch am Leben bist. Das dazu.
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