Ich trank die letzten Schlucke aus meinem Glas, langsamer jetzt. Keiner davon war so gut wie der erste. Die tröstliche Vertrautheit hatte deutlich abgenommen. Aber war das nicht immer so? Du trinkst, um dich besser zu fühlen, aber du merkst es kaum, dass es dir besser geht, bis die kurze Phase schon wieder vorbei ist und ab da trinkst du einfach immer weiter. Aber besser wird es nicht mehr. Trocken und rau fühlte sich meine Kehle an, selbst wenn ich das Brennen nach all den Jahren kaum mehr spürte, aber auf die alles durchströmende Wärme oder ein Gefühl von Benommenheit wartete ich erfolglos. Nicht bei der geringen Menge. Mein Blick glitt zu der Flasche, die Ardin umklammerte hatte, wie den letzten Strohhalm auf einem kontinuierlich sinkenden Schiff. Nicht einmal Teilen konnte der Bastard, dachte ich missgünstig bei mir und stellte das leere Glas vor mir ab, lehnte mich wieder zurück. Ob ich jetzt zufrieden sei, fragte Cyneburg. Ich starrte unbestimmt in die Leere vor mir, meine Mundwinkel wanderten fast mitleidig über diese Frage höher. Nein... Die Antwort sollte sie doch kennen, oder?
Immerhin mein Magen hatte durch das Glas Gin aufgehört gegen seinen Inhalt zu rebellieren. Das war doch auch schon etwas. Ich schwieg, ließ Ardin die traute Zweisamkeit mit der Flasche. Und der schwieg nicht minder. Ich dachte daran mit welcher Verzweiflung er den Gin aus der Flasche gekippt hatte. Ich dachte daran, dass Ardin James schwieg und ich dachte, was für ein seltenes Glück das war, ganz besonders sobald der ein paar hinter der Binde hatte. Aber das hier, das war anders. Ich bemerkte, wie es sich aufbaute ähnlich einer düsteren Gewitterwolke. In Mitten der Stille, die Ardins Hälfte des Tisches war. Wie es sich aufbaute über halb gegessene Bohnen mit Speck, ein halbgetrunkenes Ale und einen stiefmütterlich verachteten Whiskey. In dieser stickigen, lärmenden Spelunke. Mit einer Hand rieb ich mir über die Schläfen und ließ sie fast unmittelbar wieder sinken, als ich das Schluchzen neben mir hörte und sich all das, was sich aufgebaut hatte, sinnflutartig neben mir entlud. Im ersten Moment dachte ich James hätte sich vielleicht verschluckt, aber nein. Hemmungslos liefen ihm die Tränen über die Wangen und ich konnte ihn nur anstarren. In Mitten dieses schäbigen Pubs und mir denken, dass ich die Anzeichen hätte erkennen müssen. Mein Herz raste und ich leckte mir verunsichert über die trockenen Lippen, bevor ich, um wenigstens etwas zu tun, James mit der blanken Hand vor die Brust schlug. „Reiß dich zusammen, James!!“, zischte ich und konnte zu meiner Schande die eigene Angst in der Stimme hören. Verdammt nochmal, das war James Viertel! Ich sah mich um, den Blick glühend vor Zorn, hätte nur einer in unsere Richtung gesehen, er hätte Cyneburgs Zähne zu spüren bekommen, so wahr mir der Gregor helfe. Das hätte mir gerade noch gefehlt, wenn sie den James Heulen sahen. Einen Peeler, bekannt in ganz Whitechapel und hier im Blue Bull’s brach er über einer Flasche Gin zusammen, keine fünf Minuten entfernt von der Leman Street. Ich sah zurück zu James, wenn der nicht aufhörte zu Heulen, dann musste ich ihn verdammt nochmal hier rausschaffen um den Schaden zu begrenzen.
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