Und deshalb war ich schließlich auch hier, oder? Deshalb folgte ich dem vor mir her torkelnden Ardin geduldig, stoppte in seiner Nähe, als er inne hielt um zu pissen. Die Dohle auf der Schulter, lautstark mit dem Vogel zankend wie ein Irrer. Ich schlug mir die Nacht um die Ohren, um Ardin bei seinem kleinen Rausch zu begleiten, was hätte man schon mehr von mir erwarten können? Eine Menge, wie Cyneburg mich wissen ließ, aber ich wollt’s gar nicht wissen. Ich war nicht Ardins Frau, die war nicht so blöd wie ich. Ich war nur irgendein Kollege, den er nicht einmal besonders leiden konnte und das wenigstens beruhte auf Gegenseitigkeit. Dass ich noch hier war, war mehr Verantwortung, als man mir hätte zumuten können, so fand ich, und übernahm sie allein in dem kostbaren Wissen, dass Ardin sich ohnehin an nichts würde erinnern können. Wenn ich ihm jetzt folgte und ihm beistand, würde er’s morgen nicht mehr wissen und ich war fein raus, also konnt‘ ich’s mir leisten etwas nachlässig mit unserer sorgsam aufrechterhaltenen Geringschätzung für den Anderen zu sein. Ardin wankte bedrohlich, den Schwanz noch nicht einmal wieder in der Hose. Zähneknirschend hielt ich ihn bei der Schulter fest, bevor er Kopf voran in der eigenen Pisse hätte landen können. Ich wartete nur so lange, bis er das Gleichgewicht wieder hatte und ließ ihn dann wieder los. Wenn ich’s mir recht überlegte, dann war ich nur hier, weil mein Sohn mich dazu genötigt hatte. Einen Moment wünschte ich mir, er wäre hier, dann hätt‘ er immerhin zu schätzen gewusst, was ich für ihn auf mich nahm. Aber schon im nächsten Augenblick verwarf ich den Gedanken mit einer Heftigkeit, die mich vor ein unmittelbares Problem stellte. Ich wartete bis Ardin ein paar Schritte weiter gewankt war, dann hielt ich ihn mit der Hand am Revers auf. „Die Kinder sollten dich nicht so sehen“, es war eine einzige Feststellung. Mein Blick lag auf Ardins vom Alkohol aufgedunsenen Zügen, dem unnatürlich entrückten Ausdruck darauf. Sollten sie wirklich nicht. Kein Kind sollte seinen Vater so sehen. Mein Junge sollte seinen Onkel nicht so sehen. Änderte nichts daran, dass viele Kinder dieses Viertels ihre Väter genau so kannten. Aber nicht Ardins Kinder. Ardin war ein anderer Mann. Ich biss den Kiefer zusammen, rang noch einen Moment mit mir, dann brachte ich die einzige Alternative vor, die mir in den Sinn kam. „Schlaf bei mir, in Ordnung?“ Am Ende konnte ich es doch nur vorschlagen, ich würde Ardin kaum gegen seinen Willen in meine Wohnung schleifen, am Ende musste er es selbst in diesem Zustand noch selbst wissen, was er wollte.
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