- Bis mir etwas feuchtes durchs Gesicht wischte als wäre ich direkt unter einen Wischmopp geraten.
Ich riss die Augen auf und drehte den Kopf weg – nur um die Lider direkt wieder zu schließen unter dem Licht das brennend wie Feuer hindurch trat. Mit einem Mal wurde mir klar, dass ich nicht zuhause war. Das Licht kam von der falschen Seite und es roch streng nach Hund vor mir. Einmal abgesehen davon, dass da noch immer dieses Gewicht auf mir lag. Zaghaft öffnete ich die zusammen gekniffenen Augen wieder und blickte auf Cyneburgs grinsend hechelnde Hundeschnauze. Ich murrte und schnaubte. Drehte nur nochmal den Kopf weg. Jackdaw ließ mich wissen, dass es Zeit war. Und dass ich lange genug geschlafen hätte. Geschlafen? Ich hatte geschlafen. Tatsächlich. Und es war kein Traum gewesen, der mich geweckt hatte. Überhaupt erinnerte ich mich nicht daran, was ich geträumt hatte. Wessen Träume ich gesehen hatte. Da war nichts in meinem Schädel. Nur Schmerz. Und das Gefühl noch einige Jahre so weiter schlafen zu können. Mürrisch drehte ich den Kopf noch ein wenig, darum bemüht den Hundeatem nicht zu sehr einzuatmen und suchte mit unter dem Schmerz zusammen gekniffenen Augen nach Cyneburgs unweigerlichem Begleiter. Und da war er. Otis Rhode. Den Blick auf mich gerichtet wie ein Zuschauer im Theater. „Würdesu dein’n Hund annie Leine nehmn, Rhode?“, murrte ich ungnädig. Aber ich konnte ihn gar nicht wirkungsvoll genug anfunkeln weil das Licht einfach zu sehr in den Augen brannte. Ich kniff sie wieder zusammen und drehte den Kopf weg, blindlings versuchend das Gewicht der Hündin von mir zu schieben. Mochte sein, dass ihr Schädel auf meinem Bein noch ganz nett gewesen war, aber das war eindeutig zu viel Hund auf nächster Nähe.
Ich sollte mich schämen, Cyneburgs große Liebesbekundung sei eine Ehre, fand Jackdaw, und ich fragte mich ernsthaft was sie noch in meinem Schädel zu suchen hatte. Aber es war als könnte ich mich nicht erinnern wie es funktionierte, sie von dort zu verbannen. Wie das Mistvieh gehässig darüber lachte. Sie sagte ich hätte das verdient. Und dass es Zeit wäre. Sie immer und ihre Zeit. Zeit wofür? Die Arbeit, fand Jackdaw. Arbeit. Ein Wort ohne Bedeutung. Da wollte nichts bei mir klingeln. Ich war definitiv nicht bereit dazu, der Welt schon zu begegnen. Was mich zum ersten Mal darüber nachdenken ließ, wo ich mich überhaupt befand wenn nicht in der Welt. Das Licht von der falschen Seite. Otis‘ Wohnung, natürlich. Stöhnend ließ ich den Kopf zurück in die Kissen sinken. Kissen. Bett. Jetzt hob ich doch wieder den pochenden Schädel, nur um mich des Gedankens zu versichern, den ich da gerade hatte. Ich lag in einem Bett. Zusammen mit der Hundeschnauze „Du hast mich nich ernsthaft in deinem Bett schlafen lassen, has du…?“


