Cyneburg hatte vor mir gesessen und mich angebettelt, dass ich ihr doch etwas abgeben solle. Zur Abwechslung mal nicht mein Blut, auch wenn sie dazu auch nicht Nein sagen würde, wie sie mich hatte wissen lassen. Ich hatte das spöttische Schnauben in einem weiteren Bissen erstickt. Blut würde es erst wieder geben, wenn Mister Plymouth-Gin da drüben auf der Pritsche sich wieder mit seiner Frau ausgesöhnt hatte - wovon, Satan weiß warum, auch mein Stand in diesem Haus abhing. Aber Cyneburg war im Moment ohnehin mehr an Kartoffel mit Butter interessiert gewesen. Doch ich wusste und sie wusste, dass sie alles was sie zu sich nahm, das nicht aus meinem Blut bestand am Ende wieder auskotzen würde. Was nicht bedeutete, dass es ihr nicht kurzfristig schmecken könnte, hatte Cyneburg eingewandt. Nein. Ich hatte für 24 Stunden genug an wieder ans Tageslicht gebrachten Mageninhalt gesehen, ganz ohne eine unvernünftige Hündin. Beleidigt hatte Cyneburg sich vor meinen Füßen abgelegt. Weder Ardin ein zweites Mal wecken durfte sie, noch etwas Kartoffel abbekommen. Die Welt war schon wirklich ein ungerechtes Fleckchen. Nicht zu vergessen, dass ich ihr noch bevor wir die Residenz des Friedkin erreicht hatten, verboten hatte mit hinein zu kommen, was sie mir den gesamten Vormittag unablässig vorgehalten hatte. Ja, ja, was war ich nicht für ein vertrautenhassender, böser Mensch. Selbstzufrieden aß ich mein Mittagessen alleine. Nachdem ich fertiggegessen hatte und Ardin noch immer im Land der hoffentlich-nicht-Träume weilte, war ich wieder gegangen. Ich hatte den Costers noch etwas Geld zugesteckt, das ich noch bei mir hatte, damit sie mir den Ardin nicht doch noch abstachen und zu Pasteten verarbeiteten und versprach am Abend wieder zu kommen und ihn dann endgültig mitzunehmen. Immerhin brauchte ich mir so keine Gedanken darum machen Margory über den Zustand ihres Mannes zu informieren. Die Costers hätten das bis heute Abend längst erledigt.
Ich kam am späteren Abend zurück zu den Costers, das Licht der spärlichen Gaslaternen vermischte sich bereits mit den letzten Streifen der Dämmerung. Es war so spät, dass die Costers mir selbst das letzte Geld noch abnahmen. Geldgierige Hunde, aber ich wusste es besser als mit ihnen zu feilschen, nicht wegen so etwas. Es war zu elementar, dass sie ohne Nachfragen den James bei sich schlafen ließen, ihn in Ruhe ließen obwohl er ein Peeler in so verletzlicher Lage war, das durfte ich mir für das nächste Mal nicht verdorben haben. Ich ließ mich auf eben jene Kiste sinken auf der ich schon am Mittag gesessen hatte, und rieb mir über das Gesicht. Ich ließ die Hand sinken und betrachtete sie einen Moment. Die Haut am Handrücken schlug bereits Blasen und war rötlich geschwollen von einem Brandmal. Am Unterarm hatte ich einen Hundebiss, der nicht weiter der Rede wert war, aber mir Löcher in den guten Anzug gerissen hatte. Was am Mittag noch recht vielversprechend ausgesehen hatte, war kurz darauf eskaliert und ich hatte den Rest des Tages am Hafen verbracht und mich im wahrsten Sinne des Wortes mit den Gewerkschaften herum geschlagen. Eine Initiative aus einigen jungen Radikalen hatte einen Aufruhr angezettelt und letztlich gedroht das Eastern Dock Lager anzuzünden. Aber hellichten Tage, Herr in der Hölle! In was für Zeiten lebten wir eigentlich?!
Früher hätten sie den Zirkus von ein paar Trupps Rotröcke mit Flinten niederschießen lassen und jetzt sollten ein paar Peeler mit Schlagstöcken denselben Effekt erzielen?! Mit Sicherheit. Den Brand immerhin hatte ich abwenden können, denn bedauerlicherweise kannte ich den Feuerteufel und seinen Komplizen nur zu gut - und sie hatten mir zum Dank dafür ihre Grüße hinterlassen, ich rieb mir über den Arm. Aufknüpfen hätte ich die Bengel sollen, stattdessen hatte ich doch wieder mein Möglichstes getan ihnen eben das Schicksal zu ersparen und nachdem ich sie erst einmal bei Vernunft hatte - oder was man bei diesen jungen Burschen von der Gewerkschaft so Vernunft nannte - war auch die hitzige Stimmung langsam abgeklungen. Irgendwann gegen Abend hatten sich die Proteste aufgelöst. Ich glaubte zwar noch nicht so ganz daran, dass der Streik damit gebrochen war aber das war ein Problem für Morgen. Immerhin hatte das Chaos dafür gesorgt, dass ich erst am Abend zurück in die Leman Street gekommen war, als Mulligan längst in seinem verdienten Feierabend war. Außerdem würde am Ende keiner mehr so genau sagen können, ob ein DI James nun irgendwo mit in diesem Tumult gesteckt hatte oder nicht. Was doch wirklich wundervoll war, während der Mann seinen Rausch aus schlief. Was hätten wir uns denn anderes wünschen können?
Schlussendlich hatte ich in der Leman Street noch ein paar der ausstehenden Berichte geschrieben. Vermutlich hätte ich den James anderenfalls persönlich abgestochen, wenn ich ihm direkt vom Hafen aus gegenüber gestanden hätte. Die Brandmale und den Biss hätte der sich mal schön selbst abholen können. Ich hatte meine Schuldigkeit getan in den ich dem James bei seinen Saufeskapaden bei Seite gestanden hatte, davon mir auch noch seine Schläge einzufangen hatte ich nicht gerade geträumt. Ich starrte hinüber zu dem schlafenden Bündel, ließ den Atem stoßweise entweichen.
Die Sache war nur... besonders erpicht darauf Margory gegenüber zu stehen war ich auch nicht. Mein Blick glitt ab in die Leere. Ardin hatte schlafen wollen, also hatte ich ihn schlafen lassen, auf die effizienteste Art, die es dafür gab. Nur neigten gute Frauen in meiner Erfahrung dazu, das etwas anders zu sehen. Und mochte sein, dass es dem James zwischen die Beine stieg seine Herzensdame toben zu sehen, ich konnte darauf verzichten Margorys Zorn auf mich zu ziehen. Nicht bei allem, was sie für mich getan hatte. Grund genug es noch ein wenig herauszuzögern ihr ihren resttrunkenen Mann abzuliefern.
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